Verbessert du dein Darmmikrobiom, wenn du draußen spielst und dabei Bakterien aufnimmst?
Es gibt keine Belege dafür, dass Aufenthalte im Freien oder Bodenkontakt die Darmflora messbar verbessern. Wer sein Darmmikrobiom fördern möchte, sollte auf Ernährung und Lebensstil setzen statt bewusst Außenbakterien aufzunehmen.
Keine einzige verfügbare Studie zeigt, dass sich deine Darmflora durch Aufenthalte im Freien oder Kontakt mit Gartenerde messbar verbessert. Die Vorstellung, beim Gärtnern oder Spazierengehen nützliche Bakterien aufzunehmen, ist weit verbreitet, wird aber durch die aktuelle Forschungslage nicht gestützt.
Hausstaub und Gartenerde enthalten durchaus eine vielfältige Mischung aus Mikroorganismen, teils 500 bis 1.000 verschiedene Arten. Ob dieser Kontakt unterm Strich gut oder schlecht für dein Darmmikrobiom ist, bleibt offen. Die vorliegenden Studien sind ausnahmslos beobachtend: Sie beschreiben Zusammenhänge, können aber keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen.
Dazu kommen handfeste Risiken. Gartenerde und Hausstaub sind nachgewiesene Quellen für Clostridium-botulinum-Sporen, den Erreger des infantilen Botulismus. Diese Erkrankung ist schwer und kann lebensbedrohlich verlaufen. Für Säuglinge ist die Exposition gegenüber Außenbakterien also keineswegs harmlos.
Luftverschmutzung macht das Bild noch komplizierter. Tier- und Humanstudien zeigen, dass Belastung durch schmutzige Außenluft mit einem gestörten Darmmikrobiom zusammenhängt, wobei die Befunde beim Menschen noch uneinheitlich sind. 'Draußen sein' ist also keine Garantie für ein gesünderes Mikrobiom; die Luftqualität spielt eine entscheidende Rolle.
Frühe Exposition gegenüber einer vielfältigen mikrobiellen Umgebung scheint die Entwicklung des Darmmikrobioms und das spätere Risiko für Allergien und Asthma tatsächlich zu beeinflussen. Doch auch hier ist die Evidenz indirekt und beobachtend, und sie bezieht sich auf die frühen Lebensjahre, nicht auf das bewusste 'Bakterieneinsammeln' im Erwachsenenalter.
Grundlage sind Beobachtungs- und Tierstudien (6 Tierstudien, 4 Humanstudien zur Luftverschmutzung), ein Review zum Hausstaub-Mikrobiom sowie Falldaten zum infantilen Botulismus. Randomisiert-kontrollierte Studien oder kontrollierte Interventionsstudien zu diesem spezifischen Mechanismus beim Menschen liegen nicht vor.