Kann dein HbA1c auch zu niedrig sein?
Ein HbA1c unter 5,0 % ist bei Menschen ohne Diabetes mit einem erhöhten Sterberisiko verbunden – wahrscheinlich als Signal einer zugrunde liegenden Erkrankung. Einen auffällig niedrigen Wert solltest du immer von deinem Arzt abklären lassen.
Der HbA1c-Wert spiegelt wider, wie hoch dein Blutzucker in den vergangenen zwei bis drei Monaten im Durchschnitt lag. Im Fokus stehen meist erhöhte Werte – doch eine Studie an Menschen ohne Diabetes zeigt, dass auch ein sehr niedriger Wert (unter 5,0 %) mit einem höheren Sterberisiko verbunden ist. Verglichen mit einem Wert im mittleren Bereich (5,0–5,7 %) war das Risiko kurzfristig um 30 % und über zehn Jahre um 12 % erhöht. Dieser Zusammenhang ist statistischer Natur, kein Beweis für eine direkte Ursache. Ein niedriger Wert könnte also eine zugrunde liegende Erkrankung anzeigen, anstatt selbst Schaden anzurichten.
Einen Hinweis darauf liefert die Hirntrauma-Forschung. Eine Auswertung von zehntausenden Laborbefunden ergab, dass Hirntrauma die einzige Erkrankung war, bei der der HbA1c-Wert durchgängig niedriger ausfiel als bei gesunden Menschen. Bei allen anderen 35 untersuchten Krankheitsbildern war er entweder erhöht oder unauffällig. Ein niedriger HbA1c kann also mitunter ein Signal sein, dass im Körper etwas nicht stimmt.
Ein niedriger Messwert kann außerdem schlicht unzuverlässig sein. Bestimmte Erkrankungen oder Medikamente – etwa eine Autoimmunerkrankung in Kombination mit spezifischen Wirkstoffen – können die Messung verfälschen, sodass das Ergebnis weit unter dem tatsächlichen Blutzuckerspiegel liegt. In solchen Fällen ist ein anderer Test wie Fructosamin die bessere Wahl. Das geht aus einem Fallbericht hervor und beschreibt damit eine seltene Situation, zeigt aber: Ein auffällig niedriger Wert sollte immer genauer untersucht werden.
Eine Beobachtungsstudie an Schwangeren legt zudem nahe, dass ein niedrig-normaler HbA1c-Wert den Blutzuckerpuffer verringert. Bei Müttern mit einem HbA1c unter 5,6 % war schwere Zahnfleischentzündung mit einem anderthalb- bis zweifach erhöhten Risiko für ein zu geringes Geburtsgewicht des Kindes verbunden. Bei Müttern mit einem etwas höheren Wert verschwand dieser Zusammenhang. Die Studie ist rein beobachtend und wurde an einer spezifischen brasilianischen Studienpopulation durchgeführt.
Alle Aussagen beruhen auf Assoziationsstudien (keine RCTs). Die Sterblichkeitsdaten stammen aus einer größeren Studie (PMID 33378417). Die Hirntrauma-Analyse ist eine umfangreiche Laborauswertung (PMID 30905458). Der falsch-niedrige Messwert und der Befund aus der Schwangerschaftsstudie gehen auf einen Fallbericht bzw. eine Beobachtungsstudie zurück (PMID 34611711, 34792204).