Was verrät dein HbA1c über dein Diabetes- und Alterungsrisiko?
Ein erhöhter HbA1c – selbst weit unterhalb der offiziellen Diabetesschwelle – ist mit einem höheren Risiko für Diabetes, Nierenschäden, Augenkomplikationen und möglicherweise Demenz verbunden. Lass deinen HbA1c regelmäßig bestimmen und besprich mit deinem Arzt, welcher Zielwert für dich sinnvoll ist.
HbA1c spiegelt deinen durchschnittlichen Blutzuckerspiegel der vergangenen zwei bis drei Monate wider. Ein Wert von 5,7 % oder höher bei Kindern und Jugendlichen zwischen 10 und 19 Jahren erhöht das Risiko, später an Typ-2-Diabetes zu erkranken, um das Vier- bis Siebenfache gegenüber Gleichaltrigen mit einem HbA1c von 5,3 % oder darunter. HbA1c sagte dieses Risiko genauso zuverlässig voraus wie eine Nüchternblutzuckermessung oder ein oraler Glukosetoleranztest.
Wer bereits Diabetes hat, sollte nicht nur auf die absolute Höhe des HbA1c achten, sondern auch auf seine Stabilität im Zeitverlauf. Starke Schwankungen gehen mit einem um 26 bis 53 % erhöhten Risiko für Nierenversagen einher – unabhängig vom Durchschnittswert. Eine gleichmäßige Blutzuckerkontrolle ist also mindestens ebenso wichtig wie das Erreichen eines guten Mittelwerts. Ein erhöhter HbA1c zählt außerdem zu den neun Faktoren, die vorhersagen, ob jemand mit Diabetes frühzeitig Nierenkomplikationen entwickelt – ermittelt auf Basis von über 41.000 Patientinnen und Patienten.
Ein dauerhaft hoher HbA1c belastet auch andere Organe. Bei Menschen mit Typ-2-Diabetes, die mit blutzuckersenkenden Medikamenten (sogenannten SGLT2-Hemmern) begannen, war ein HbA1c von 9 % oder höher in einer Beobachtungsstudie mit einem erhöhten Demenzrisiko verbunden – vor allem durch Gefäßschäden im Gehirn. Dazu lässt sich bisher keine Ursache-Wirkungs-Beziehung belegen, weil es sich um eine reine Beobachtungsstudie handelt und der Zusammenhang nach Bereinigung um andere Einflussfaktoren deutlich schwächer wurde. Schwere Augenkomplikationen, die das Sehvermögen bedrohen, hängen ebenfalls mit einem höheren HbA1c zusammen, gemeinsam mit der Diabetesdauer und dem Blutdruck.
Eine kleine Studie mit 47 Teilnehmerinnen und Teilnehmern ohne Kontrollgruppe zeigte, dass kontinuierliches Glukosemonitoring bei Menschen mit Typ-2-Diabetes ohne Insulintherapie Blutzucker, Gewicht, Blutdruck und Cholesterin messbar verbesserte. Placeboeffekte und die intensivere medizinische Begleitung könnten dabei eine Rolle gespielt haben; größere, kontrollierte Studien müssen die Ergebnisse bestätigen.
Auch bei Nierentransplantierten reichte ein HbA1c von 5,3 % oder höher aus, um eine Hochrisikogruppe für Diabetes nach der Operation zu identifizieren. Diese Erkenntnis stammt aus einer retrospektiven Auswertung an einem einzigen Krankenhaus, verdeutlicht aber, dass ein Wert im offiziell noch normalen Bereich kein erhöhtes Risiko ausschließt.
Die Aussagen stützen sich auf mehrere große Assoziationsstudien und Metaanalysen mit bis zu 41.271 Teilnehmenden. Eine Ursache-Wirkungs-Beziehung ist nicht belegt; es handelt sich durchweg um Assoziationen. Die Studie zum kontinuierlichen Glukosemonitoring hat keine Kontrollgruppe (n=47), und die Nierentransplantationsstudie ist retrospektiv und stammt aus einem einzigen Zentrum.