Können Schilddrüsenprobleme dein Gedächtnis und deine Konzentration verschlechtern?
Eine deutliche Schilddrüsenunter- oder -überfunktion kann Gedächtnis, Konzentration und Stimmung spürbar beeinträchtigen. Bei leichten Schilddrüsenproblemen ist dieser Zusammenhang weit weniger klar, lass deine Beschwerden also ärztlich abklären, bevor du Schlüsse ziehst.
Bei einer klar unterfunktionierenden Schilddrüse sind Gedächtnis- und Konzentrationsprobleme gut belegt. Levothyroxin verbessert diese Beschwerden in den meisten Fällen, doch die Erholung fällt manchmal unvollständig aus, besonders bei leichteren Formen der Unterfunktion. Eine Kombinationsbehandlung aus Levothyroxin und einem zusätzlichen Schilddrüsenhormon (T3) hat keinen überzeugenden Mehrnutzen gezeigt.
Eine Überfunktion zeigt ein ganz anderes Bild. In einer Studie mit Patienten mit Morbus Graves litt in der aktiven Phase 89 % der Betroffenen unter mentaler Erschöpfung, gegenüber 14 % in der Vergleichsgruppe. Nach der Behandlung gingen diese Beschwerden deutlich zurück.
Bei einer leichten, sogenannten subklinischen Unterfunktion, bei der die Laborwerte nur geringfügig abweichen, ist das Bild uneinheitlich. Eine Zusammenfassung mehrerer Studien fand ein erhöhtes Risiko für kognitive Probleme, allerdings nur bei stark erhöhtem TSH-Wert. Eine koreanische Studie mit 1.400 Patienten stellte weder Unterschiede im kognitiven Profil noch eine häufigere Entwicklung einer Demenz fest. Eine leichte subklinische Überfunktion hing in einer großen Auswertung mit zehntausenden Erwachsenen ebenfalls nicht mit kognitivem Abbau oder Demenz zusammen.
Aufschlussreich ist folgende Beobachtung: Menschen, die wussten, dass sie eine Schilddrüsenerkrankung hatten, berichteten häufiger über Gedächtnis- und Stimmungsprobleme, auch wenn ihre Schilddrüse zu diesem Zeitpunkt normal arbeitete. Ein Teil der Beschwerden geht also möglicherweise gar nicht direkt auf die Schilddrüsenstörung zurück, sondern hat andere Ursachen. Neuere Großstudien stellen zudem infrage, ob ältere Menschen mit kognitiven Beschwerden routinemäßig auf subklinische Schilddrüsenprobleme untersucht werden sollten.
Basiert auf mehreren Beobachtungsstudien, Metaanalysen und einer großen Auswertung auf Basis von Einzelpersonendaten. Für manifeste Unter- und Überfunktion gilt der Zusammenhang mit kognitiven Beschwerden als wahrscheinlich kausal; bei subklinischen Formen bleibt die Evidenz begrenzt und widersprüchlich.