Verbessern Fasten oder weniger Essen dein Gedächtnis und deine Konzentration?
Es gibt vorsichtige Hinweise, dass deutlich weniger Essen das Gedächtnis verbessern kann, doch die Datenlage ist schwach. Wer seine Konzentration steigern möchte, kann Fasten nicht als bewährte Strategie einsetzen.
Dreißig Prozent weniger Kalorien über drei Monate verbesserten das verbale Gedächtnis gesunder älterer Menschen um durchschnittlich 20 %. Das zeigte eine kleine Interventionsstudie mit fünfzig Teilnehmenden um die sechzig Jahre mit leichtem bis mäßigem Übergewicht. Die Verbesserung ging mit niedrigeren Insulinspiegeln und weniger Entzündungsmarkern im Blut einher. Wer gleich viel aß, dabei aber mehr ungesättigte Fette zu sich nahm, erzielte keinen vergleichbaren Effekt.
Intermittierendes Fasten, also der regelmäßige Wechsel zwischen Ess- und Fastenphasen, hat bei gesunden Menschen keinen eindeutigen kurzfristigen Einfluss auf Gedächtnis oder Konzentration. Das zeigt ein niederländischer Übersichtsartikel. Aus Tierversuchen gibt es Hinweise, dass Fasten das Gehirn schützt, indem es vorübergehend auf einen alternativen Brennstoff umschaltet, sogenannte Ketonkörper. Dieser Wechsel aktiviert Prozesse, die die Anpassungsfähigkeit des Gehirns offenbar stärken.
Bei Menschen mit Epilepsie, Multipler Sklerose oder Alzheimer gibt es vorsichtige Hinweise, dass Fasten sinnvoll sein könnte. Dazu gibt es bisher vor allem Tierdaten: In Tiermodellen reduziert Kalorienrestriktion die Ablagerung des Proteins, das für Alzheimer typisch ist, und hält die Hirngefäße offenbar gesünder. Empfehlungen für erkrankte oder gefährdete Menschen wären daher verfrüht.
Auch die Art des Fastens spielt eine Rolle. Tagsüber zu fasten, etwa während des Ramadan, kann Entscheidungsfindung und geistige Leistungsfähigkeit beeinträchtigen. Andere Fastenformen scheinen diesen Effekt nicht zu haben oder wirken über ein wachstumsförderndes Hirnprotein sogar leicht positiv auf molekularer Ebene. Fasten ist also kein einheitlicher Reiz für das Gehirn.
Mehrere Übersichtsarbeiten kommen zu dem Schluss, dass weniger Essen die Gehirnalterung bei Tieren bremst und beim Menschen altersbedingte Gedächtniseinbußen möglicherweise verringert. Wie der Mechanismus beim Menschen genau funktioniert, bleibt unklar. Ob dauerhaft reduzierte Kalorienzufuhr sicher und alltagstauglich ist, hat die Forschung noch nicht ausreichend untersucht, um daraus allgemeine Empfehlungen abzuleiten.
Sieben Übersichtsarbeiten und eine kleine Interventionsstudie (n=50). Keine Metaanalysen. Die einzige direkte Interventionsstudie am Menschen ist zu klein, um ihre Ergebnisse breiter zu übertragen. Die meisten mechanistischen Erkenntnisse stammen aus Tierversuchen.