Lassen sich „Zombiezellen" beseitigen, um das Altern zu bremsen?
Die biologische Idee ist plausibel und zeigt in Mäusen eindrucksvolle Effekte, ob sie beim Menschen wirkt und sicher ist, ist aber noch ungeklärt. Bewegung und eine gesunde Ernährung sind derzeit die konkretesten und sichersten Hebel, um diesen Alterungsprozess zu beeinflussen.
Seneszente Zellen, im Volksmund Zombiezellen genannt, teilen sich nicht mehr, sterben aber auch nicht ab. Stattdessen schütten sie einen Mix aus entzündungsfördernden Botenstoffen aus, der umliegendes Gewebe schädigt und mit Erkrankungen wie Arteriosklerose, Leberfibrose, Arthrose und Diabetes in Verbindung gebracht wird. Je mehr solcher Zellen sich mit dem Alter ansammeln, desto größer der Schaden.
Allerdings ist eine vollständige Eliminierung dieser Zellen nicht ohne Risiko. In früheren Lebensphasen schützen sie den Körper vor Krebs, weil sie beschädigte Zellen davon abhalten, unkontrolliert zu wachsen. Außerdem sind sie am Wundheilen beteiligt. Eine Therapie, die Zombiezellen wahllos beseitigt, würde also auch diesen Schutzmechanismus aushebeln.
In Tierversuchen zeigen sogenannte Senolytika vielversprechende Ergebnisse. Das sind Substanzen, die seneszente Zellen gezielt in den programmierten Zelltod treiben. Ein vom Erasmus MC entwickeltes Peptid stellte bei gealterten Mäusen Fellqualität, Kondition und Nierenfunktion wieder her, ohne erkennbare Nebenwirkungen. Manipulierte Immunzellen, die auf ein Oberflächenprotein der Zombiezellen (uPAR) abzielen, räumten seneszente Zellen bei Mäusen mit Lungenkrebs oder Leberfibrose mit deutlich positivem Effekt auf. Beide Ansätze wurden bislang ausschließlich am Tier erprobt.
Beim Menschen sind Senolytika noch nicht überzeugend belegt. Klinische Studien laufen, aber große Untersuchungen mit harten Endpunkten fehlen. Hinzu kommen Sicherheitsfragen: Bei bestimmten Dosierungsschemata kam es zu einem Mangel an Blutplättchen und damit zu einem erhöhten Blutungsrisiko. Ein praktisches Problem ist außerdem das Fehlen einer zuverlässigen Methode, seneszente Zellen im lebenden Menschen verlässlich zu messen, was die Beurteilung eines Behandlungseffekts erschwert.
Ein sanfterer Ansatz sind Senomorphika: Sie töten Zombiezellen nicht ab, sondern dämpfen die schädlichen Botenstoffe, die diese ausschütten. Bekannte Beispiele sind Metformin (ein Diabetesmedikament) und Quercetin (ein Pflanzenstoff in Äpfeln und Zwiebeln). Die Humandaten dazu sind bislang schwach. Regelmäßige Bewegung und Kalorienreduktion werden ebenfalls als Wege genannt, seneszente Schäden zu begrenzen, doch auch hier fehlt eine ausreichend starke Evidenz für konkrete Empfehlungen.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Reviews sowie zwei nicht gesondert indexierte Studien. Die mechanistische Grundlage ist gut belegt: Dass Zombiezellen Gewebeschäden verursachen, ist in der Literatur konsistent beschrieben. Die Evidenz für Senolytika als Therapie stammt nahezu vollständig aus Tierversuchen. Die Forschenden selbst benennen fehlende verlässliche Biomarker, ein unklares Sicherheitsprofil beim Menschen und das Fehlen großer klinischer Studien als die wichtigsten Hürden für eine klinische Anwendung.
Kann Stammzelltherapie rheumatoide Arthritis bremsen oder heilen?
Stammzelltherapie kann die Beschwerden bei rheumatoider Arthritis möglicherweise lindern, heilen kann sie die Erkrankung nicht. Für belastbare Schlussfolgerungen reicht die Forschung noch nicht aus. Wenn dich das Thema interessiert, sprich es mit deiner Rheumatologin oder deinem Rheumatologen an.
Wie setzt du Ozempic sicher ab?
Ob ein schrittweises Reduzieren der Dosis besser ist als ein abrupter Stopp, lässt sich derzeit nicht beantworten. Klar ist: Ein abrupter Stopp führt bei den meisten Menschen zu Gewichtszunahme und einer Verschlechterung von Blutdruck und anderen kardiometabolischen Laborwerten. Besprich einen Absetzplan immer mit deiner Ärztin oder deinem Arzt, besonders wenn du das Mittel auch für dein Herz oder bei Diabetes einnimmst.
Ist Retatrutid wirksamer als Ozempic?
Indirekte Vergleiche legen nahe, dass Retatrutid zu einem größeren Gewichtsverlust führt als Semaglutid (Ozempic/Wegovy), doch der Wirkstoff ist noch nicht zugelassen und ein direkter Kopf-an-Kopf-Test fehlt. Wer jetzt behandelt werden möchte, hat die Wahl zwischen Semaglutid und Tirzepatid.
Was sind die Nebenwirkungen von Ozempic?
Semaglutid verursacht bei jeder vierten Person Magen-Darm-Beschwerden, vor allem Übelkeit; diese klingen meist im Laufe der Zeit ab. Seltenere Signale wie die Sehnervenerkrankung NAION erfordern ärztliche Begleitung, weshalb dieses Mittel grundsätzlich nur unter ärztlicher Aufsicht eingesetzt werden sollte.
Ist es sinnvoll oder gefährlich, viele Nahrungsergänzungsmittel gleichzeitig zu nehmen?
Ob ein Supplement-Stack sinnvoll oder gefährlich ist, hängt davon ab, welche Präparate du kombinierst und ob du gleichzeitig Medikamente einnimmst. Informiere deinen Arzt oder die Apotheke immer über deine Nahrungsergänzungsmittel, und sei besonders vorsichtig mit Johanniskraut und Goldenseal.
Hat es Sinn, Resveratrol gegen das Altern einzunehmen?
Für den Menschen gibt es keine überzeugenden Belege, dass Resveratrol-Nahrungsergänzungsmittel etwas gegen das Altern bewirken. Die Tierversuchsdaten sind interessant, lassen sich aber nicht in die klinische Praxis übertragen. Warte mit der Einnahme, bis bessere Humandaten vorliegen.