Welche Lebensstilfaktoren beeinflussen dein biologisches Alter am stärksten?
Langes Sitzen, ein gestörter Biorhythmus und Muskelverlust sind die am besten belegten negativen Faktoren für dein biologisches Alter; regelmäßige Bewegung und ein fester Schlaf-Wach-Rhythmus sind die konkretesten Maßnahmen, die du jetzt sofort umsetzen kannst.
Langes Sitzen beschleunigt mehrere biologische Alterungsprozesse gleichzeitig – und das unabhängig davon, wie viel Sport du treibst. Auch wer regelmäßig trainiert, aber den restlichen Tag überwiegend sitzt, hat ein erhöhtes Risiko. Sitzendes Verhalten ist damit ein eigenständiger Risikofaktor, nicht bloß ein Mangel an Bewegung.
Dein Biorhythmus gerät leichter aus dem Takt, als du vielleicht denkst. Kunstlicht am Abend, Nachtschichten, Flugreisen mit Zeitzonenwechseln und die ständige Verfügbarkeit von kalorienreichen Lebensmitteln stören den Stoffwechsel und das Epigenom – die Schicht oberhalb deiner DNA, die bestimmt, welche Gene aktiv sind. Das kann den Alterungsprozess indirekt beschleunigen. Ein regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus ist deshalb kein Luxus, sondern biologisch relevant. Auch der Zeitpunkt der Nahrungsaufnahme spielt eine Rolle: Essen, das auf deinen Biorhythmus abgestimmt ist, scheint sich günstig auf Darmmikrobiom und Epigenom auszuwirken, auch wenn die Evidenz dafür noch überwiegend observationell ist.
Muskelabbau mit zunehmendem Alter, auch Sarkopenie genannt, trägt messbar zu Erkrankungen und vorzeitigem Tod im höheren Lebensalter bei. Das Niveau von Ausdauer und Muskelkraft hängt mit der molekularen Zusammensetzung von Muskelgewebe auf Zell- und epigenetischer Ebene zusammen. Lebensstil – und hier vor allem Bewegung – kann diesen Abbau verlangsamen.
Lebensstilfaktoren beeinflussen auch die Gehirngesundheit. Neuroinflammation ist ein zentraler Mechanismus bei der Alzheimer-Erkrankung, und Faktoren wie Ernährung und körperliche Aktivität spielen dabei eine Rolle. Wie groß dieser Beitrag im Vergleich zur genetischen Veranlagung ist, lässt sich derzeit noch nicht genau beziffern.
Ein wichtiger Vorbehalt: Welche Lebensstilfaktoren für dein biologisches Alter tatsächlich entscheidend sind, ist noch nicht abschließend geklärt. Außerdem reagiert nicht jeder gleich: Genetische Varianten in Biorhythmusgenen beeinflussen, wie dein Körper auf Ernährung und Lebensstil anspricht, sodass ein Ansatz, der für eine Person gut funktioniert, bei einer anderen Person weniger Wirkung zeigen kann.
Alle Aussagen basieren auf Assoziationsstudien oder wahrscheinlich kausalen Studien; es liegen keine großen kontrollierten randomisierten klinischen Studien vor. Die Evidenz für Biorhythmus und Chrono-Nutrition ist überwiegend observationell. Die Beweislage ist für alle Teilbereiche als mäßig einzustufen.