Lässt sich beginnende Vergesslichkeit durch den Lebensstil noch umkehren?
Lebensstilmaßnahmen können beginnende Vergesslichkeit wahrscheinlich verlangsamen und in einigen Fällen teilweise verbessern, eine vollständige Umkehr ist jedoch nicht belegt. Am stärksten evidenzbasiert ist die Kombination aus Bewegung, gesunder Ernährung und kognitiver Aktivität.
Fast die Hälfte der Menschen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (messbarer, aber noch milder Vergesslichkeit) kehrt spontan zur normalen Kognition zurück. Eine schwedische Bevölkerungsstudie mit 744 Teilnehmenden und sieben Jahren Follow-up beobachtete das bei 43 bis 48 Prozent. Eine japanische Beobachtungsstudie mit 769 Menschen kam zum gleichen Ergebnis: Ein Drittel erholte sich, und wer in mehreren Lebensbereichen aktiv blieb, hatte bessere Chancen auf diese Erholung. Das ist ermutigend, doch beide Studien sind observationell: Daraus lässt sich nicht ableiten, dass der Lebensstil die einzige Erklärung ist.
Den stärksten klinischen Hinweis darauf, dass der Lebensstil wirklich einen Unterschied macht, liefert die FINGER-Studie: eine randomisiert-kontrollierte Studie mit 1260 Teilnehmenden (60 bis 77 Jahre) mit erhöhtem Demenzrisiko. Wer zwei Jahre lang gesünder aß, sich mehr bewegte, kognitives Training absolvierte und Blutdruck sowie Cholesterin im Blick behielt, schnitt in Gedächtnis- und Denktests etwas besser ab als die Kontrollgruppe. Der Unterschied war klein, aber statistisch nachweisbar. Eine vollständige Umkehr ist das nicht; realistischer ist die Beschreibung als Verlangsamung des Abbaus in Verbindung mit einer leichten Verbesserung. Sieben Prozent der Teilnehmenden klagten über Muskelschmerzen oder andere Beschwerden durch das intensive Bewegungsprogramm.
Auch kognitives Training und psychologische Begleitung helfen, besonders bei Menschen, die sich selbst vergesslicher fühlen, obwohl Tests noch normale Werte zeigen. Eine Metaanalyse von 18 randomisierten Studien belegt einen mäßigen Effekt psychologischer Begleitung auf objektiv messbares Gedächtnis; kognitives Training verbessert die Selbsteinschätzung und das mentale Wohlbefinden. Der Effekt von kognitivem Training auf objektive Gedächtnistests war klein und nur knapp statistisch signifikant. Eine vollständige Erholung ist davon nicht zu erwarten.
Körperliche Bewegung wird in einem Literaturüberblick als der vielversprechendste Ansatz beschrieben, um schädliche Ablagerungen im Gehirn zu reduzieren. Gesunde Ernährung, insbesondere ein mediterranes Ernährungsmuster (Gemüse, Obst, Olivenöl, Fisch, wenig rotes Fleisch), hängt mit einem geringeren Risiko für kognitiven Abbau zusammen, doch diese Evidenz ist überwiegend observationell. Einzelne Nahrungsergänzungsmittel oder spezifische Nährstoffe zeigten in Übersichtsarbeiten uneinheitliche und teils enttäuschende Ergebnisse. Die Kombination aus Bewegung, gesunder Ernährung und kognitiver Aktivität hat damit die stärkste Evidenzbasis, nicht eine einzelne Maßnahme für sich allein.
Die Evidenz stützt sich auf eine große randomisiert-kontrollierte Studie (FINGER, n=1260), eine Metaanalyse von 18 randomisierten Studien, zwei Beobachtungskohortenstudien (n=744 und n=769) sowie mehrere Übersichtsarbeiten. Ein veröffentlichtes Studienprotokoll (PROMED-EX, n=105 geplant) liegt noch ohne Ergebnisse vor.