Reduziert Kreatin-Supplementierung Brain Fog?
Kreatin kann kognitive Beschwerden lindern, doch der Effekt hängt stark von der individuellen Situation ab: Menschen mit chronischer Erschöpfung, Schlafmangel oder einer pflanzenbasierten Ernährung profitieren am wahrscheinlichsten, während es bei gesunden, ausgeruhten Personen kaum etwas zu bewirken scheint.
Brain Fog ist keine anerkannte medizinische Diagnose, beschreibt aber reale Beschwerden wie Konzentrationsprobleme, mentale Schwerfälligkeit und Erschöpfung. Kreatin ist vor allem dann relevant, wenn der Energiestoffwechsel im Gehirn unter Druck steht. Bei ME/CFS-Betroffenen (Menschen mit dem chronischen Erschöpfungssyndrom) stieg die Kreatinkonzentration in zwei Hirnregionen nach sechs Wochen mit 16 Gramm pro Tag messbar an. Dieselbe kleine Pilotstudie (11 Teilnehmer, ohne Placebogruppe) zeigte außerdem weniger selbstberichtete Erschöpfung und schnellere Reaktionszeiten.
Ob das auch bei anderen Menschen mit Brain Fog gilt, ist unklar. Bei jungen, gesunden Personen ohne besonderen Stress hat Kreatin-Supplementierung keinen messbaren Effekt auf die Kognition. Hinweise auf positive Wirkungen gibt es jedoch bei Schlafmangel, mentaler Erschöpfung oder Sauerstoffmangel, etwa in großer Höhe. Eine systematische Übersichtsarbeit zu sechs kleinen Studien an gesunden Probanden ergab, dass Kreatin das Kurzzeitgedächtnis und das logische Denkvermögen verbessern kann, bei Aufmerksamkeit, Reaktionszeit und mentaler Ermüdung widersprachen sich die Studien jedoch.
Vegetarier und Veganer bilden eine deutlichere Ausnahme: Sie haben von Natur aus geringere Kreatinspeicher, und mehrere Studien zeigen bei ihnen nach der Supplementierung größere kognitive Verbesserungen als bei Fleischessern.
Relevant ist auch der Unterschied zwischen einzelnen kognitiven Bereichen: In einer kontrollierten Studie verbesserte Kreatin die Genauigkeit bei einer längeren Konzentrationsaufgabe um knapp 5 Prozent, schützte aber nicht vor dem ermüdungsbedingten Rückgang der visuomotorischen Reaktionszeit. Kreatin wirkt also nicht gleich gut gegen alle Facetten eines mentalen Leistungstiefs.
Die Sicherheit bis 20 Gramm pro Tag ist für gesunde Menschen gut belegt. Hast du Nierenprobleme, sprich das vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt ab.
Basierend auf einer systematischen Übersichtsarbeit zu 6 randomisiert-kontrollierten Studien (281 Teilnehmer), einer kleinen Pilotstudie ohne Placebogruppe (n=11, ME/CFS), einer Crossover-Studie (n=14) sowie zwei narrativen Übersichtsarbeiten. Eine randomisiert-kontrollierte Studie, die Brain Fog gezielt als primären Endpunkt untersucht, existiert bislang nicht.