Wie beeinflusst Kreatin Stimmung und Wohlbefinden?
Bei gesunden Menschen ohne zusätzliche Belastungsfaktoren verbessert Kreatin die Stimmung nicht nachweisbar. Als Ergänzung bei Schlafentzug, veganer Ernährung oder in Kombination mit Antidepressiva gibt es erste positive Signale, die aber zu schwach sind, um Kreatin als Stimmungsmittel zu empfehlen.
Bei gesunden Erwachsenen ohne besondere Belastungen bewirkt Kreatin-Supplementierung wenig für Stimmung oder Wohlbefinden. Ein systematischer Review von 2024 kam zu dem Schluss, dass die Effekte auf Kognition und Stimmung uneinheitlich sind. Wer über die Ernährung bereits ausreichend Kreatin aufnimmt, wird wahrscheinlich keinen Unterschied bemerken.
Es gibt aber Situationen, in denen Kreatin etwas bewirken kann. In einer kleinen randomisierten Studie mit 19 Teilnehmern verhinderte Kreatin (5 Gramm pro Tag über eine Woche) die Stimmungsverschlechterung nach 24 Stunden Schlafentzug zumindest teilweise. Gruppen mit von Natur aus niedrigen Kreatinwerten im Gehirn, etwa Veganer und ältere Menschen, gelten ebenfalls als mögliche Profiteure. Frauen haben im Schnitt 70 bis 80 Prozent geringere Kreatinspeicher als Männer, was eine Supplementierung bei ihnen biologisch plausibler macht. Ein Review zu diesem Thema wurde allerdings zum Teil von Autoren verfasst, die Verbindungen zu einem Kreatinhersteller haben, was bei der Einordnung der Ergebnisse zu beachten ist.
Als eigenständige Behandlung bei klinischer Depression raten internationale Leitlinien von 2022 von Kreatin ab. Nach Auswertung der verfügbaren Forschung kamen sie zu dem Schluss, dass ein antidepressiver Effekt als Einzeltherapie nicht ausreichend belegt ist. Möglicherweise ergänzt Kreatin bestehende Antidepressiva bei Menschen, bei denen die Standardbehandlung nicht anschlägt. Diese Hinweise stammen jedoch aus frühen klinischen Studien und reichen für eine Empfehlung nicht aus.
Bei bipolarer Depression ist das Bild uneinheitlich. Ein systematischer Review stellte fest, dass Kreatinstudien in dieser Gruppe überwiegend keine oder widersprüchliche Effekte zeigten. Es gibt Hinweise darauf, dass der Energiestoffwechsel im Gehirn bei Menschen mit bipolarer Störung beeinträchtigt ist, und eine kleine Studie mit 84 jungen Erwachsenen fand, dass höhere Depressionswerte mit niedrigeren Kreatinkonzentrationen in den vorderen Hirnregionen einhergingen. Eine solche Korrelation belegt aber nicht, dass Supplementierung hilft.
Neun Aussagen auf Basis von Reviews, systematischen Reviews, einer Metaanalyse und einigen kleinen klinischen Studien. Keine große unabhängige randomisierte kontrollierte Studie, die Stimmung als primären Endpunkt untersucht. Bei einem Review besteht ein Interessenkonflikt (Autoren mit Verbindungen zu einem Kreatinhersteller), der dort entsprechend vermerkt ist.