Sind kommerzielle biologische Alterstest auf Basis von DNA-Methylierung ihr Geld wert?
Die zugrundeliegende Technologie hat wissenschaftlichen Wert, doch kommerzielle Tests sind bislang nicht unabhängig validiert, und die methodische Qualität vieler Modelle reicht nicht aus, um darauf Gesundheitsentscheidungen zu stützen.
DNAm PhenoAge, eine weit verbreitete epigenetische Uhr, sagt Sterblichkeit, Krebs, körperliche Funktionsfähigkeit und Alzheimer besser voraus als Uhren früherer Generationen. Mehrere Bevölkerungsstudien zeigen einen unabhängigen Zusammenhang zwischen einem beschleunigten epigenetischen Tempo und erhöhter Sterblichkeit sowie chronischen Erkrankungen. Das ist wissenschaftlich interessant, betrifft aber ausschließlich statistische Zusammenhänge. Ob ein höherer Wert tatsächlich Ursache von Gesundheitsproblemen ist oder lediglich ein Begleitprodukt, ist nicht geklärt.
Die Technologie kann biologisch relevante Signale erfassen. So erkennt die Skin-and-Blood-Uhr eine beschleunigte Alterung bei einer seltenen Krankheit, bei der Menschen extrem schnell altern, während ältere Uhren dieses Signal verpassten. Ein Modell, das zwei Arten von Methylierungsmaßen kombiniert, erreicht in einer italienischen Gruppe von 194 Personen eine Fehlertoleranz von rund 2,5 Jahren, doch die Forschenden selbst betonen, dass eine Validierung in anderen Populationen erforderlich ist. Das sind Forschungsergebnisse und kein Beleg dafür, dass kommerzielle Tests gleich gut abschneiden.
Genau hier liegt ein grundlegendes Problem. Ein Review stellte fest, dass viele Methylierungsmodelle unter methodischen Schwächen leiden, etwa Datenlecks beim Training sowie zu kleine oder einseitig zusammengesetzte Gruppen. Dadurch überschätzen sie ihre eigene Leistungsfähigkeit, und diese Überschätzung landet direkt im kommerziellen Produkt. Außerdem lässt sich eine Uhr, die bei Erwachsenen gut funktioniert, nicht ohne Weiteres auf Kinder oder andere Gruppen übertragen: Eine speziell für Kinder entwickelte Uhr erzielt einen medianen Fehler von nur 0,35 Jahren, während Standarduhren bei Kindern deutlich schlechter abschneiden.
Was sagt dein Testergebnis also wirklich aus? Dass dein biologisches Alter über oder unter deinem Kalenderalter liegt, ist eine Bevölkerungskennzahl. Sie bedeutet nicht, dass dein persönliches Krankheitsrisiko proportional zu- oder abnimmt. Es gibt zudem keine belegten Interventionsstudien, die zeigen, dass du deinen epigenetischen Alterungswert auf eine Weise verbessern kannst, die sich auch positiv auf deine Gesundheit auswirkt. Bei der Entwicklung eines neuen Index für zelluläre Alterung hatten mehrere Autorinnen und Autoren zudem Patente auf die Technologie angemeldet: Ergebnisse aus genau dieser Studie solltest du daher mit einer gewissen Vorsicht bewerten.
Basiert auf Bevölkerungsstudien, Reviews und Forschungsvalidierungen (PMIDs: 29676998, 30178254, 35304597, 36611826, 39009581, 30048243, 31611402). Keine randomisierten Studien oder direkte Evaluierungen kommerzieller Produkte in den Quellen verfügbar.