Sind ultraverarbeitete Lebensmittel schlecht für deine Lebenserwartung?
Viel ultraverarbeitete Lebensmittel zu essen hängt mit einer kürzeren Lebenserwartung und mehr chronischen Erkrankungen zusammen, doch der Effekt unterscheidet sich stark nach Produkttyp und verschwindet weitgehend, wenn die Gesamternährungsqualität gut ist. Den größten Gewinn erzielst du, indem du weniger verarbeitetes Fleisch und Wurst isst und dein Ernährungsmuster insgesamt verbesserst.
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Verarbeitete Fleisch- und Fischprodukte wie Wurst, Aufschnitt und Fertigburger zeigen den stärksten Zusammenhang mit einem frühen Tod. Wer viele solcher Produkte isst, hat je nach Todesursache ein 6 bis 43 Prozent höheres Sterberisiko. Softdrinks (mit oder ohne Zucker), Milchdesserts und ultraverarbeitete Frühstücksprodukte hängen mit einem leicht erhöhten Sterberisiko von 7 bis 9 Prozent zusammen.
Für vorzeitigen Tod insgesamt streuen die ermittelten Risikoschätzungen erheblich: von gerade einmal 4 Prozent höher in einer großen Studie mit mehr als 114.000 Teilnehmern bis zu 21 Prozent höher in einer Metaanalyse mehrerer Studien. Pro 50 Gramm mehr pro Tag entspricht das etwa 2 Prozent zusätzlichem Risiko. Das klingt bescheiden, doch ultraverarbeitete Produkte isst man selten in kleinen Mengen. Der Zusammenhang mit Herz-Kreislauf-Sterblichkeit scheint größer (50 Prozent höheres Risiko), allerdings sind die einzelnen Studien von sehr niedriger Qualität.
Am stärksten belegt ist der Zusammenhang mit Typ-2-Diabetes. Für jede Stufe mehr an ultraverarbeiteten Lebensmitteln steigt das Risiko um rund 12 Prozent. Dies ist auch der einzige Bereich, in dem die Evidenz als 'mäßig' eingestuft wird statt als 'niedrig' oder 'sehr niedrig'. Bei Darmkrebs wurde ein kleinerer, aber ähnlich verlässlicher Zusammenhang von 4 Prozent je 10 Prozent mehr ultraverarbeiteter Lebensmittel in der Ernährung gefunden.
Zwei entscheidende Einschränkungen sind zu beachten. Erstens: In einer großen US-amerikanischen Studie mit knapp 35 Jahren Follow-up ließ sich kein Zusammenhang mit krebsbedingter oder kardiovaskulärer Sterblichkeit nachweisen, wenn diese Todesursachen separat betrachtet wurden. Zweitens: Bei Menschen mit insgesamt guter Ernährungsqualität verschwand das Sterberisiko weitgehend. Das legt nahe, dass das Gesamtmuster der Ernährung mindestens genauso viel zählt wie die Menge dessen, was aus Tüte oder Schachtel kommt.
Eine zentrale wissenschaftliche Frage ist noch ungeklärt: Ist die Verarbeitung selbst das Problem, oder sind ultraverarbeitete Produkte schlicht ein guter Marker für ein insgesamt ungesundes Ernährungsmuster? Alle verfügbaren Zusammenhänge stammen aus Beobachtungsstudien, in denen sich Ursache und Wirkung nicht eindeutig belegen lassen. Bemerkenswert ist, dass von 45 untersuchten Gesundheitsendpunkten bei 71 Prozent ein Zusammenhang mit ultraverarbeiteter Ernährung auftrat, für die meisten dieser Zusammenhänge aber die Evidenzqualität niedrig bis sehr niedrig ist.
Basierend auf mehreren Metaanalysen und großen Kohortenstudien (PMID 38418082, 38719536, 38363072, 35658669, 32630022). Alle Zusammenhänge sind assoziativ; Kausalität wurde nicht nachgewiesen. Die GRADE-Qualität ist für die meisten Endpunkte niedrig bis sehr niedrig, mit Ausnahme von Typ-2-Diabetes und kolorektalem Krebs (mäßig).