Solltest du Kupfer supplementieren, wenn du viel Zink nimmst?
Eine hohe Zinkzufuhr kann deinen Kupferspiegel senken – Kupfer einfach automatisch dazuzunehmen ist trotzdem nicht die Antwort. Lass deine Blutwerte kontrollieren und passe die Supplementierung daran an.
Zink und Kupfer konkurrieren im Darm um denselben Aufnahmeweg. Wer viel Zink schluckt, regt die Darmwand dazu an, mehr Metallothionein zu produzieren – ein Auffangprotein, das Kupfer bindet und dessen Übergang ins Blut blockiert. Das Ergebnis ist ein sinkender Kupferspiegel im Blut. Dieser Effekt fällt besonders stark aus, wenn dein Kupferwert von Haus aus schon eher niedrig liegt.
Ein echter Kupfermangel hat spürbare Folgen. Am deutlichsten zeigen sich Blutarmut und ein Rückgang bestimmter weißer Blutkörperchen, die Infektionen abwehren. Dokumentiert ist das bei Menschen, die über längere Zeit kupferarm ernährt wurden, sowie bei Patienten, die bei bereits niedrigem Ausgangswert dauerhaft Zink einnahmen. Nach etwa drei Monaten Zinksupplementierung kann der Kupferwert dann problematisch niedrig werden.
Die Wechselwirkung funktioniert in beide Richtungen: Wer bei hoher Zinkzufuhr zusätzlich Kupfer nimmt, riskiert eine verminderte Zinkaufnahme. Die beiden Mineralstoffe blockieren sich also gegenseitig. Deshalb ist einfach Kupfer dazuzunehmen keine naheliegende Lösung – du könntest damit deinen Zinkstatus durcheinanderbringen.
Was das praktisch bedeutet: Wer dauerhaft hohe Zinkdosen einnimmt, sollte seine Kupfer- und Zinkwerte im Blut regelmäßig kontrollieren lassen, am besten alle drei Monate. Eine Ergänzung lohnt sich nur dann, wenn dein Kupferwert tatsächlich abfällt. Zu hohe Kupferwerte im Blut sind übrigens ebenfalls nicht harmlos: Eine Beobachtungsstudie bei älteren Menschen fand einen Zusammenhang zwischen erhöhtem Blutkupfer und einem höheren Risiko für kognitiven Abbau – auch wenn das noch kein Beweis für direkten Schaden durch Supplementierung ist.
Basierend auf zwei Studien zur Zink-Kupfer-Wechselwirkung (PMID 39683529, 2349923), einer Studie zu klinischem Kupfermangel (PMID 6410510), einer Studie zu breiteren Spurenelement-Wechselwirkungen (PMID 24470098) sowie einer Beobachtungsstudie zu Kupfer und Kognition (PMID 41470817). Die Evidenz ist überwiegend mäßig; große randomisierte klinische Studien fehlen.