Verhindert Omega-3 eine postnatale Depression?
Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel beugen einer postnatalen Depression nachweislich nicht vor, und auch als Behandlung ist die Evidenzlage zu widersprüchlich für eine Empfehlung. Wer nach der Geburt unter depressiven Verstimmungen leidet, sollte professionelle Hilfe suchen, anstatt auf Nahrungsergänzungsmittel zu setzen.
Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel beugen einer postnatalen Depression bei gesunden Frauen nachweislich nicht vor. Ein Cochrane-Review und mehrere Metaanalysen fanden keinen statistisch signifikanten vorbeugenden Effekt von Fischöl mit DHA oder EPA gegenüber einem Placebo. Die Effektgröße lag nahe null.
Ob Omega-3 bei einer bereits bestehenden postnatalen Depression hilft, ist weniger eindeutig. Eine Auswertung von achtzehn Studien mit über 4.000 Frauen fand einen geringen Vorteil bei Frauen, die bereits depressiv waren, allerdings wichen die Ergebnisse stark voneinander ab und die Konfidenzintervalle waren breit. Eine weitere Metaanalyse von acht Studien mit 638 Frauen zeigte, dass ein höheres Verhältnis von EPA zu DHA (EPA/DHA 1,5 oder höher) bei leichten bis mittelschweren Depressionen während oder nach der Schwangerschaft tendenziell etwas besser wirkte, bei wenigen Nebenwirkungen. Das beruht jedoch auf einer begrenzten Zahl kleiner Studien.
In einer Placebo-kontrollierten Studie mit 59 Frauen mit schwerer perinataler Depression, bei der alle Teilnehmerinnen zusätzlich Psychotherapie erhielten, zeigte Omega-3 (1,9 g EPA+DHA pro Tag) keinen Zusatznutzen gegenüber dem Placebo. Beide Gruppen verbesserten sich, was überwiegend auf die Therapie zurückzuführen ist.
Wenn du während oder nach deiner Schwangerschaft unter depressiven Verstimmungen leidest, sprich das mit deiner Ärztin, deinem Arzt oder deiner Hebamme an. Omega-3 ist in der Schwangerschaft sicher und hat andere Vorteile für den Fötus, doch als Mittel gegen eine postnatale Depression ist die Datenlage zu widersprüchlich und zu lückenhaft, um darauf zu vertrauen. In den ausgewerteten Studien erhielten Frauen Dosierungen von bis zu rund 2 g DHA+EPA pro Tag; gib das als Information an deine Ärztin oder deinen Arzt weiter. Ein Produkt, das ein besonders hohes EPA-Verhältnis bewirbt, macht für die Vorbeugung keinen Unterschied: Ein präventiver Vorteil ist unabhängig vom Verhältnis nicht belegt.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere systematische Auswertungen randomisierter Studien, darunter einen Cochrane-Review. Am stärksten belegt ist die Schlussfolgerung, dass Omega-3 keinen vorbeugenden Effekt hat: Dieser Befund ist über die größten und methodisch strengsten Analysen hinweg konsistent. Die Evidenz für einen therapeutischen Effekt bei bereits bestehender Depression ist weniger einheitlich und stammt aus Studien, die sich untereinander stark unterschieden. Die Forschenden einer zentralen Auswertung benennen selbst als Einschränkung, dass die Stichproben möglicherweise zu klein, die Studiendauer zu kurz und die Dosierungen zu gering waren, um einen echten Effekt sicher nachweisen oder ausschließen zu können. „Kein Effekt gefunden" bedeutet daher nicht dasselbe wie „wirkt sicher nicht", gibt aber auch keinen Anlass, Omega-3 als vorbeugendes Mittel zu empfehlen.