Warum werden Knochen mit zunehmendem Alter brüchiger?
Knochen werden mit den Jahren brüchiger, weil der Abbau den Aufbau überwiegt, hormonelle Veränderungen (Östrogen) diesen Prozess beschleunigen und eine schwelende Entzündung zusätzlich dazu beiträgt. Krafttraining, ausreichend Kalzium und Vitamin D können das nachweislich bremsen, und bei hohem Bruchrisiko stehen wirksame Medikamente zur Verfügung.
Knochen sind kein statisches Material: Der Körper baut Knochensubstanz ständig ab und wieder auf. Mit zunehmendem Alter gerät dieses Gleichgewicht aus dem Lot. Der Abbau überwiegt den Aufbau, die Knochenmasse sinkt und die innere Struktur wird poröser. Das Bruchrisiko steigt dadurch erheblich. Hohes Alter und weibliches Geschlecht gelten als die stärksten Risikofaktoren für Osteoporose.
Für Frauen ist die Menopause ein entscheidender Wendepunkt. Der Östrogenabfall nach den Wechseljahren beschleunigt den Knochenabbau erheblich, was erklärt, warum Osteoporose bei Frauen nach der Menopause deutlich häufiger auftritt als bei gleichaltrigen Männern.
Altern geht außerdem mit einer schwelenden, niedriggradigen Entzündung einher. Das klingt abstrakt, doch das Immunsystem wird auf eine Weise aktiviert, die die Knochenstabilität direkt verringert, unabhängig von Lebensstil oder Ernährung. Wer biologisch älter ist, als sein Kalenderalter vermuten lässt, hat laut einer großen amerikanischen Studie mit knapp 14.500 Erwachsenen zudem eine geringere Knochendichte in der Hüfte. Ob das eine direkte Ursache ist oder ein paralleles Muster, ist noch nicht abschließend geklärt.
Muskelschwund macht das Bild noch ernster. Wer gleichzeitig Knochenschwund und Muskelschwäche hat (Osteosarkopenie), stürzt häufiger, erleidet öfter Knochenbrüche und hat ein höheres Risiko, in eine Pflegeeinrichtung eingewiesen zu werden. Muskeln und Knochen beeinflussen sich nämlich über gemeinsame biologische Signalwege gegenseitig und sind keine unabhängigen Systeme.
Die gute Nachricht: Du kannst den Prozess verlangsamen. Krafttraining hält die Knochendichte stabil und stärkt gleichzeitig Muskeln und Balance. Ausreichend Kalzium und Vitamin D, Nichtrauchen und maßvoller Alkoholkonsum sind nachweislich unterstützend. Bei hohem Bruchrisiko gibt es außerdem Medikamente, die den Knochenabbau hemmen oder die Knochenneubildung anregen. Welches Mittel passt, hängt vom Schweregrad der Situation ab und bringt ein eigenes Sicherheitsprofil mit. Hast du eine Familiengeschichte mit Osteoporose oder knochenbezogenen Beschwerden, sprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt an.
Basiert auf mehreren Übersichtsarbeiten und einer großen Beobachtungsstudie (n≈14.500). Die mechanistischen Zusammenhänge (Östrogen, Entzündung) sind gut belegt. Der Zusammenhang mit dem biologischen Alter ist assoziativer Natur. Die Effekte von Krafttraining sind konsistent, jedoch mit vereinzelten widersprüchlichen Befunden in kleineren Studien.