Was bringen Ketondrinks wirklich für Gehirn und Leistung?
Ketondrinks zeigen bei Menschen mit Gedächtnisproblemen und vereinzelt auch bei Sportlerinnen und Sportlern positive Signale für die Kognition, doch die Evidenz ist begrenzt und teilweise durch kommerzielle Interessen verzerrt. Es ist noch zu früh, sie als belegt wirksam einzustufen.
Ketondrinks erhöhen den Ketongehalt im Blut. Die Idee dahinter: Das Gehirn nutzt Ketone als alternativen Brennstoff, was Kognition oder körperliche Leistung fördern könnte. Was zeigen die bisherigen Studien dazu?
Bei gesunden, trainierten Sportlerinnen und Sportlern sind die Ergebnisse gemischt. Eine kleine Studie (12 trainierte Frauen) zeigte, dass ein Ketonesterdrank in Kombination mit Kohlenhydraten die Reaktionszeit um rund 14 % und die Aufmerksamkeitsleistung um rund 13 % verbesserte – allerdings gemessen nach einer 10-km-Radbelastung. Die Fahrzeit selbst verbesserte sich nicht. Das ist ein vielversprechender Befund, doch die Studie ist zu klein, um daraus belastbare Schlüsse zu ziehen.
Bei Menschen mit Alzheimer oder leichtem kognitivem Abbau ist die Datenlage etwas besser untermauert. Ein systematischer Review von 10 randomisierten Studien zeigt Verbesserungen in der allgemeinen Kognition und im episodischen Gedächtnis. Allerdings mit einem Vorbehalt: Menschen mit genetisch erhöhtem Alzheimerrisiko (über das APOE ε4-Gen) sprechen langsamer und schwächer an. Exekutive Funktionen, Aufmerksamkeit und psychisches Wohlbefinden verbesserten sich nicht. Eine separate, 6 Monate dauernde Studie mit einem MCT-Ketondrink bei Menschen mit leichtem kognitivem Abbau zeigte ebenfalls Verbesserungen, jedoch erhielten alle Autorinnen und Autoren dieses Artikels Vergütungen vom Hersteller. Das schränkt die Unabhängigkeit der Ergebnisse deutlich ein.
Bei Parkinson bieten ketogene Therapien nach aktuellem Stand keine nachweisbaren Vorteile in verfügbaren Humanstudien. Tierstudien waren zwar positiver, doch diese Ergebnisse haben sich bisher nicht auf den Menschen übertragen lassen. Zudem läuft aktuell eine größere NIH-Studie zum Effekt täglicher Ketondrinks bei älteren Menschen mit erhöhtem Alzheimerrisiko, Ergebnisse liegen jedoch noch nicht vor.
Eine kleine Pilotstudie mit 11 Teilnehmenden zeigte, dass ein Ketondrink bestimmte kognitive Auswirkungen von Sauerstoffmangel (z. B. in großer Höhe) abmildern kann. Das ist rein explorativ und zu früh, um daraus Handlungsempfehlungen abzuleiten.
Basiert auf 1 systematischen Review (10 RCTs, Alzheimer/leichter kognitiver Abbau), 3 kleinen randomisierten oder kontrollierten Studien (n=11–12 gesunde Sportlerinnen/Sportler, n=unbekannt leichter kognitiver Abbau), 1 veröffentlichtem Studienprotokoll ohne Ergebnisse sowie 1 Review zu Parkinson. Gesamtteilnehmerzahl unbekannt; Schätzungen sind entsprechend vorsichtig.