Ist Krafttraining gegen Osteoporose genauso wirksam wie Medikamente?
Krafttraining verbessert die Knochendichte nachweislich und bietet zusätzliche Vorteile, die Medikamente nicht haben. Trotzdem sind beide keine Alternativen zueinander: Bei ernsthaft erhöhtem Frakturrisiko ist Medikation besser belegt und nicht durch Sport zu ersetzen.
Krafttraining steigert die Knochendichte der Wirbelsäule und Hüfte bei postmenopausalen Frauen messbar. In einer randomisierten Studie mit hochintensivem Training (mehr als 85 % des Maximalgewichts, zweimal pro Woche) stieg die Knochendichte der Lendenwirbelsäule um 2,9 %, während sie in der Kontrollgruppe um 1,2 % sank. Zwei Metaanalysen mit jeweils 17 Studien bestätigen dieses Muster: Die Effekte auf Wirbelsäule und Schenkelhals sind konsistent positiv, wenn auch die Ergebnisse zwischen den Studien deutlich streuen. Hohe Intensität (mindestens 70 % des Maximums), dreimal wöchentliches Training und ein Programm von mindestens 48 Wochen scheinen am besten zu wirken.
Medikamente wie Bisphosphonate und Denosumab sind auf einem anderen Gebiet belegt: Sie senken das Wirbelkörperfrakturrisiko um mehr als 50 pro 1.000 Personenjahre und das Hüftfrakturrisiko um 6 pro 1.000 Personenjahre. Das ist in großen klinischen Studien nachgewiesen. Sie stoppen den Knochenabbau allerdings nur, solange du sie nimmst; nach dem Absetzen setzt der Verlust wieder ein. Außerdem verbessern sie weder Muskelkraft noch Gleichgewicht noch deine allgemeine Stabilität.
Ein direkter Vergleich von Krafttraining und Medikamenten hinsichtlich des Frakturrisikos existiert in der verfügbaren Forschung nicht. Medikamente haben harte frakturbezogene Daten; für Krafttraining fehlt diese Art direkter Evidenz. Was Krafttraining bietet, was Medikamente nicht leisten: Es verbessert gleichzeitig Muskelkraft, Gleichgewicht und Muskelmasse. Genau das sind die Faktoren, die Sturzunfälle und damit Knochenbrüche verhindern helfen. Ein Programm, das mehrere Trainingsformen kombiniert, senkt zudem das Sturzrisiko und verbessert die Lebensqualität.
Ob intensives Training mit Osteoporose sicher ist, bezweifeln viele. In der begleiteten Studie trat über acht Monate jedoch nur ein leichter Rückenkrampf auf. Das ist beruhigend, doch die Betreuung war professionell und intensiv; dieses Ergebnis lässt sich nicht automatisch auf Training ohne Aufsicht übertragen. Spazierengehen allein reicht übrigens nicht: In den Leitlinien gilt es ausdrücklich als unzureichend für die Behandlung von Osteoporose.
Leitlinien betrachten Krafttraining und Medikamente als Ergänzung, nicht als Alternativen zueinander. Bei mäßig erhöhtem Risiko ist intensives Krafttraining mit guter Begleitung eine ernsthafte Ergänzung zur medikamentösen Therapie. Bei sehr hohem Frakturrisiko, etwa nach einer frischen Wirbelkörperfraktur, sind anabole Medikamente wie Teriparatid die erste Wahl und durch Training nicht zu ersetzen.
Zwei Metaanalysen (jeweils 17 randomisierte kontrollierte Studien, zusammen 690 Teilnehmerinnen) und eine randomisierte kontrollierte Studie (8 Monate, 49 Teilnehmerinnen) belegen die Effekte von Krafttraining auf die Knochendichte. Die Frakturdaten für Medikamente stammen aus größeren klinischen Studien mit starker Evidenz. Direkte Head-to-Head-Vergleiche von Krafttraining und Medikamenten hinsichtlich des Frakturrisikos sind nicht verfügbar.