Was bringt Waldbaden für deine Gesundheit?
Regelmäßiges Waldbaden verringert nachweisbar Angst, Niedergeschlagenheit und Stress. Für Blutdruck und Immunsystem gibt es positive Signale, die Evidenzlage ist dort aber weniger eindeutig.
Waldbaden, auf Japanisch Shinrin-yoku, hat den am besten belegten Effekt auf Angst und depressive Verstimmungen. 36 Studien mit mehr als 3.500 Teilnehmenden zeigen eine deutliche Verbesserung der jeweiligen Beschwerdescores. Das ist zugleich das konsistenteste Ergebnis über alle Untersuchungen hinweg.
Stresshormone wie Cortisol und Adrenalin sinken beim Waldbaden nachweisbar, und das Nervensystem schaltet stärker in einen Erholungszustand. Spazierengehen im Wald wirkt dabei am zuverlässigsten von allen Waldaktivitäten, auch auf Konzentration, Gedächtnis und Entzündungsprozesse im Körper.
Für Blutdruck und Herzfrequenz sieht die Lage positiv aus, besonders bei älteren Menschen. Die Effekte sind jedoch weniger eindeutig als die psychologischen Wirkungen. Zehn Studien mit Menschen ab 60 Jahren zeigen zudem Verbesserungen bei Herz- und Lungenfunktion sowie Lebensqualität, wobei die Datenmenge für belastbare Schlussfolgerungen zu gering bleibt.
Waldbaden steigert auch die Aktivität bestimmter Abwehrzellen. In einer kleinen Studie mit 12 Männern stieg diese Aktivität nach drei Tagen im Wald um etwa 50 %. Die daraus abgeleitete Behauptung, Waldbaden verhindere Krebs oder COVID-19, geht weit über das hinaus, was die Daten hergeben. Sie stammt von einem Forscher mit Verbindungen zur japanischen Forest Therapy Society und ist spekulativ. Dazu gibt es bisher nur kleine Einzelstudien, ein Schutz vor Erkrankungen ist nicht belegt.
Schon das Betrachten von Naturfotos oder -videos zuhause löst messbare Entspannungsreaktionen im Körper aus. Das deutet darauf hin, dass allein der visuelle Kontakt mit Natur etwas bewirkt, auch wenn das ein anderer Effekt ist als tatsächlich im Wald zu sein.
Diese Antwort stützt sich auf mehrere Übersichtsarbeiten sowie eine große Zusammenfassung von 36 Studien. Die Forschenden weisen selbst darauf hin, dass die meisten ausgewerteten Studien ein hohes Verzerrungsrisiko aufwiesen und dass die untersuchten Aktivitäten, Zeitspannen und Häufigkeiten stark variierten. Das macht es schwer zu sagen, welche Art von Waldbaden den größten Nutzen bringt. Die Evidenzlage für psychologische Effekte ist solider als für körperliche Effekte. Für Wirkungen auf das Immunsystem und den Schlaf ist die Evidenzlage gering und stammt aus kleinen Studien.