Was hält deinen Mund und dein Zahnfleisch wirklich gesund?
Tägliches Zähneputzen ergänzt durch Interdentalbürstchen ist die beste Grundlage für einen gesunden Mund. Bei Diabetes zahlt sich regelmäßige Zahnfleischpflege zusätzlich für die Blutzuckerregulation aus.
Zahnbelag, der Bakterienfilm, der sich täglich auf deinen Zähnen bildet, ist die Hauptursache von Zahnfleischentzündung und Zahnfleischerkrankung. Das ist wissenschaftlich gut belegt. Tägliches Zähneputzen, um diesen Belag mechanisch zu entfernen, bildet deshalb die absolute Grundlage guter Mundgesundheit.
Allein Zähneputzen erreicht die Zahnzwischenräume nicht. Interdentalbürstchen scheinen dafür am wirksamsten zu sein: Sie reduzieren sowohl Zahnbelag als auch Zahnfleischentzündung stärker als Zahnseide. Zahnseide hilft zwar ebenfalls, doch der Unterschied zum reinen Zähneputzen ist gering und die Evidenz von niedriger Sicherheit. Mundspülgeräte enttäuschen: Ein kleiner Effekt auf die Zahnfleischentzündung nach einem Monat verschwand danach wieder, und gegenüber dem Zähneputzen allein zeigte sich kein Vorteil bei der Plaqueentfernung. Die praktische Schlussfolgerung lautet: Interdentalbürstchen sind die beste Ergänzung zur Zahnbürste, Zahnseide eine akzeptable Alternative, und ein Mundspülgerät ersetzt das mechanische Reinigen nicht.
Hast du Typ-2-Diabetes, ist Zahnfleischpflege besonders wichtig. Unkontrollierter Blutzucker erhöht das Risiko für schwere Zahnfleischerkrankungen, und umgekehrt kann eine ausgeprägte Zahnfleischentzündung die Blutzuckerregulation erschweren. Eine Behandlung lohnt sich: Professionelle Reinigung beim Zahnarzt senkte den mittleren Langzeitblutzucker (HbA1c) im Durchschnitt um 0,43 Prozentpunkte nach drei bis vier Monaten. Das ist ein klinisch bedeutsamer Effekt, vergleichbar mit dem, was manche Medikamentenanpassungen erzielen. Trotzdem weiß längst nicht jeder Mensch mit Diabetes, dass dieser Zusammenhang besteht. Wenn dein Arzt oder dein Diabetesteam das Thema nicht anspricht, lohnt es sich, es selbst zur Sprache zu bringen.
Bei Bewohnern von Pflegeheimen ist die Mundgesundheit häufig erschreckend schlecht: Mehr als die Hälfte hat Zahnstein, rund 30 % leiden an mäßiger bis schwerer Zahnfleischerkrankung, und bis zu 40 % haben Probleme mit einer Prothese. Das hängt mit kognitiven Einschränkungen und nachlassender Selbstständigkeit zusammen und beeinträchtigt wiederum Ernährung und Lebensqualität. Hier sind aktive Unterstützung durch Pflegepersonal und zahnmedizinische Fachkräfte unverzichtbar.
Abschließend noch ein Wort zu Mastixgummi, einem Harz, das manchmal als Nahrungsergänzungsmittel für die Mundgesundheit angepriesen wird. Labor- und kleine klinische Studien zeigten antibakterielle Wirkungen, doch Studien am Menschen gibt es kaum, und die bisherigen Ergebnisse sind zu wenig belastbar, um sich darauf zu verlassen. Als wirksam belegt ist es nicht.
Basierend auf einem Cochrane-ähnlichen Review zur Interdentalreinigung (PMID 30968949), einer Metaanalyse von 35 Studien zur Parodontitisbehandlung bei Diabetes (PMID 35420698), einer Beobachtungsstudie zu Diabetes und Mundgesundheitsverhalten (PMID 29716561), einer Studie zur Mundgesundheit in Pflegeheimen (PMID 31717812) sowie einem Review zu Mastixgummi (PMID 37148405).