Was ist der DunedinPACE, und was sagt er über das Altern aus?
DunedinPACE misst, wie schnell du biologisch alterst, und ist mit Krankheit und Sterblichkeit assoziiert – ob eine Verbesserung des Scores aber nachweislich gesundheitliche Vorteile bringt, haben Langzeitstudien noch nicht belegt.
DunedinPACE ist ein Bluttest, der messbar macht, wie schnell jemand biologisch altert. Er analysiert Methylierungsmuster der DNA – kleine chemische Markierungen, die anzeigen, wie aktiv einzelne Gene sind. Die Grundlage des Scores bilden zwanzig Jahre Nachverfolgung von neunzehn verschiedenen Organfunktionen bei einer großen Gruppe von Menschen, die alle im gleichen Jahr geboren wurden: dem Dunedin-Geburtsjahrgang in Neuseeland. Wer einen höheren Score erzielt, altert schneller – und hat damit ein erhöhtes Risiko für Krankheiten, körperliche Einschränkungen und einen frühzeitigen Tod.
Daneben gibt es eine auf Hirnscans basierende Variante namens DunedinPACNI. Statt Blut wertet sie MRT-Aufnahmen aus, um das Alterungstempo zu bestimmen. Ein schnellerer Score geht hier mit rascherem Hirnabbau, kognitivem Verfall, einem höheren Demenzrisiko und früherem Versterben einher. Zwei große Studien aus den USA und dem Vereinigten Königreich mit zusammen über 19.000 Teilnehmenden zeigten außerdem, dass ein vergleichbares Verfahren zuverlässig Krankheits- und Sterblichkeitsrisiken vorhersagt.
Für die Longevity-Forschung ist DunedinPACE besonders interessant, weil der Score offenbar auf Lebensstil und prägende Erfahrungen reagiert. Wer in der Kindheit Widrigkeiten erlebt hat, altert im späteren Leben schneller. Sozialer Aufstieg durch Bildung – also ein höherer Abschluss als die eigenen Eltern – war dagegen mit einem langsameren Alterungstempo verbunden und erklärte rund die Hälfte des Zusammenhangs mit niedrigerer Sterblichkeit. Auch das MIND-Diät, das gezielt auf gehirnfreundliche Ernährung ausgerichtet ist, hing mit einem langsameren Score sowie einem geringeren Demenz- und Sterberisiko zusammen.
Das aufsehenerregendste Ergebnis lieferte die CALERIE-Studie: Wer zwei Jahre lang rund 25 % weniger aß, verlangsamte sein biologisches Alterungstempo laut DunedinPACE messbar. Der Effekt war zwar klein, doch es handelt sich um die erste randomisierte Studie, die zeigt, dass sich das Tempo des biologischen Alterns überhaupt gezielt beeinflussen lässt. Andere gängige epigenetische Uhren wie PhenoAge oder GrimAge reagierten auf dieselbe Intervention nicht signifikant. Ob sich das langfristig in weniger Krankheiten oder einer längeren Lebensspanne niederschlägt, ist bislang nicht belegt.
Eine kleine Studie mit 70 Frauen fand zudem, dass Frauen mit geringerer Ovarialreserve schneller alternde Zellen in der unmittelbaren Umgebung ihrer Eizellen aufwiesen. Dieser Befund ist vorläufig und muss erst durch weitere Studien bestätigt werden. Das Gros der bisherigen Evidenz rund um DunedinPACE ist ohnehin beobachtender Natur: Der Test erfasst ein Muster – ob eine Verbesserung des Scores aber tatsächlich zu mehr gesunden Lebensjahren führt, ist noch nicht gezeigt.
Alle Aussagen beruhen auf assoziativen oder Beobachtungsstudien – mit einer Ausnahme: Die CALERIE-Studie ist eine randomisierte kontrollierte Studie (PMID 37118425). Die übrigen Befunde (PMID 35029144, 38407506, 38427354, 40595015, 40651520, 40419803) stammen aus querschnittlichen oder prospektiv-observationellen Untersuchungen. Kausale Schlussfolgerungen lassen sich für die meisten Zusammenhänge derzeit noch nicht ziehen.