Was sagt die Forschung über den Zusammenhang zwischen Lithium und Gedächtnis?
Lithium verlangsamt den kognitiven Abbau bei leichten Gedächtnisproblemen und früher Alzheimer-Erkrankung. Bei gesunden Menschen gibt es keinen Beleg für eine Gedächtnisverbesserung. Nimmst du Lithium wegen einer psychiatrischen Erkrankung, sprich mögliche Gedächtnisbeschwerden mit deiner behandelnden Person an, denn diese hängen häufig mit deiner Stimmung zusammen und nicht mit dem Medikament selbst.
Lithium verlangsamt den kognitiven Abbau bei Menschen mit leichten Gedächtnisproblemen und früher Alzheimer-Erkrankung. Eine Auswertung von drei randomisierten Studien mit 232 Teilnehmern zeigte einen deutlichen Vorteil gegenüber Placebo. In einer dieser Studien mit 45 Personen mit leichtem kognitivem Abbau sank nach zwölf Monaten ein Biomarker für Hirnzellschäden (Phospho-Tau) in der Rückenmarksflüssigkeit, während sich Gedächtnis- und Aufmerksamkeitswerte verbesserten. Eine kleinere Studie bei Alzheimerpatienten stellte fest, dass eine extrem niedrige Dosis von 300 Mikrogramm pro Tag, weit unter der üblichen psychiatrischen Dosis, den Abbau in einem kognitiven Test bereits drei Monate früher stabilisierte. Da diese Studie nur wenige Teilnehmer umfasste, sind ihre Ergebnisse mit Vorsicht zu bewerten.
Bei Menschen, die Lithium bereits wegen einer bipolaren oder unipolaren Störung einnehmen, sieht das Bild anders aus. Mehrere Untersuchungen, darunter ein Doppelblind-Experiment mit 16 Patienten, bei dem jede Person beide Bedingungen durchlief, fanden keinen messbaren Gedächtnisverlust durch Lithium. Was Lithium tatsächlich bewirkt: Es verlangsamt die psychomotorische Geschwindigkeit, du reagierst und bewegst dich also etwas träger. Subjektive Gedächtnisbeschwerden hängen in der Praxis häufiger mit verbleibenden depressiven Symptomen zusammen als mit Lithium selbst. Die Studienlage ist widersprüchlich, weil die Studien hinsichtlich Design und Patientengruppen stark voneinander abweichen.
Tierversuche liefern Hinweise auf einen möglichen Wirkmechanismus: Bei Mäusen mit einem Alzheimer-ähnlichen Krankheitsmodell verhinderte eine niedrige Lithiumdosis den Gedächtnisabbau, reduzierte die Bildung schädlicher Plaques im Gehirn und erhöhte die Konzentration eines Proteins, das das Hirnzellwachstum unterstützt. Dazu gibt es bisher nur Mäusedaten, die aber Orientierung für weitere Forschung geben.
Ob Lithium auch gesunden Menschen hilft, sich besser zu erinnern, ist nicht belegt. Eine Übersichtsarbeit kommt zu dem Schluss, dass kognitive Vorteile erst sichtbar werden, wenn das Nervensystem bereits unter Druck steht, etwa durch Krankheit oder Stress. Wer Lithium wegen Schilddrüsen- oder Nierenproblemen einnimmt, trägt bei langfristiger Anwendung ein erhöhtes Risiko für Nebenwirkungen, die regelmäßig überwacht werden sollten.
Eine Auswertung von drei randomisierten Studien (n=232) bildet den Kern der Evidenz bei Alzheimer und leichtem kognitivem Abbau. Ergänzend liegen zwei separate randomisierte Studien, zwei Übersichtsarbeiten, ein Doppelblind-Crossover-Experiment und eine Tierstudie vor. Für den Einsatz bei bipolaren Störungen sind die Befunde widersprüchlich.