Was verrät deine VO2max darüber, wie schnell du alterst?
Eine höhere VO2max hängt deutlich mit geringerer Sterblichkeit und günstigerem biologischen Alter zusammen – ist aber eher ein Gradmesser für Lebensstil als ein eigenständiger Langlebigkeitshebel. Körperfett reduzieren und mehr bewegen, auch moderat, bringt den größten gesundheitlichen Nutzen.
Eine hohe VO2max – also die maximale Sauerstoffmenge, die dein Körper pro Minute unter Belastung verwerten kann – gehört zu den stärksten bekannten Vorhersagewerten für Lebenserwartung. Menschen in der obersten VO2max-Gruppe leben nachweislich länger als jene in der untersten. Dieser Zusammenhang gilt als konsistent und gut belegt1,2.
Die VO2max ist dabei eher ein Spiegel als ein Hebel. Eine Studie, die Ursache und Wirkung besser trennen kann als reine Beobachtungsdaten, fand keinen Beleg dafür, dass eine genetisch bedingt höhere VO2max die Lebensspanne eigenständig verlängert3. Mehr Körperfett senkt die VO2max ursächlich und deutlich; mehr Bewegung hebt sie ursächlich an. Die VO2max spiegelt damit in erster Linie Lebensstil und Körperzusammensetzung wider.
Der Zusammenhang mit dem biologischen Altern ist dennoch messbar und aufschlussreich. Von allen untersuchten epigenetischen Uhren – Messverfahren, die anhand von DNA-Mustern abschätzen, wie schnell jemand biologisch altert – zeigt diejenige mit der stärksten Korrelation folgenden Befund: Jede Einheit beschleunigtes biologisches Altern geht im Schnitt mit einer um 1,17 mL/kg/min niedrigeren VO2max einher4. Dazu gibt es bisher nur Beobachtungsdaten, die Richtung der Kausalität ist also offen.
Training verbessert die VO2max und fügt funktionell gesunde Lebensjahre hinzu, verlängert die genetisch festgelegte maximale Lebensspanne nach aktuellem Kenntnisstand aber nicht. Dabei zählt bereits leichte Aktivität. Bei älteren Frauen war eine Stunde mehr moderate Alltagsbewegung pro Tag mit 22 Prozent weniger Gesamtmortalität und 30 Prozent weniger Herz-Kreislauf-Erkrankungen verbunden5. Wer eine niedrige VO2max hat, erzielt schon mit zügigem Spazierengehen eine vergleichsweise spürbare Belastung und gesundheitliche Vorteile.
Auf Genebene gibt es Hinweise, dass eine Variante im SIRT1-Gen mit einer höheren VO2max und besserer Ausdauer zusammenhängt – dieser Befund überschritt jedoch keine strenge statistische Schwelle und hat bislang kaum praktische Relevanz6. Ein Übersichtsartikel beschreibt außerdem, dass Bewegung über verbesserte Funktion der Zellkraftwerke (Mitochondrien) und weniger chronische Entzündung günstig auf das Alterungstempo wirken könnte7.
Grundlage sind zwei große Studien zu VO2max und Sterblichkeit (PMID 29293447, 38428731), eine Studie zur Kausalitätstrennung (PMID 38864459), eine Studie zu epigenetischen Uhren und VO2max (PMID 40814797), eine Studie zur relativen Belastungsintensität bei älteren Frauen (PMID 38699999), eine genetische Assoziationsstudie zu SIRT1 (PMID 36980932) sowie ein narrativer Übersichtsartikel (PMID 41683337).