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Welche Gesundheitsmaßnahmen haben wirklich große Wirkung – und welche kaum?

Moderate Evidenz

Bewegung und stabile Unterkunft für obdachlose Menschen haben die stärkste Evidenzgrundlage. Antidepressiva wirken nachweislich bei schwerer Depression, unterscheiden sich aber im Nebenwirkungsprofil. Manche verbreitete Ansätze wie bevölkerungsweite Sturzprävention und Apps haben bislang keine überzeugende Evidenz hinter sich.

Bewegung ist wahrscheinlich die Intervention mit der breitesten Wirkung, die es für ältere Menschen gibt. Wer körperlich aktiv ist, hat ein geringeres Risiko für vorzeitigen Tod, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, mehrere Krebsarten, Knochenbrüche, Stürze, Demenz und Depressionen – und das alles gleichzeitig. Dieser Zusammenhang wurde wiederholt und über viele verschiedene Endpunkte hinweg nachgewiesen. Ob Bewegung diese Vorteile direkt verursacht oder ob gesündere Menschen schlicht mehr Bewegung in ihren Alltag integrieren, lässt sich nicht abschließend belegen – doch die biologischen Mechanismen sind gut erklärt, und die Breite des Effekts ist beeindruckend.

Stabile Unterkunft für obdachlose Menschen – bekannt als „Housing First", bei dem jemand sofort eine Wohnung erhält, ohne dass Abstinenz oder Therapie Voraussetzung ist – hat ebenfalls eine starke und verlässliche Wirkung. Nach eineinhalb bis zwei Jahren waren die Teilnehmenden mehr als doppelt so häufig dauerhaft untergebracht wie Menschen in der herkömmlichen Notversorgung. Gleichzeitig gab es weniger Besuche in der Notaufnahme und weniger Krankenhauseinweisungen: Die Ereignisrate für Notaufnahmebesuche lag bei 0,63, für stationäre Aufnahmen bei 0,76 – jeweils klar messbare Rückgänge. Die oft geäußerte Sorge, dass Menschen ohne Abstinenzpflicht mehr trinken oder Drogen konsumieren, bestätigte sich in den Studien nicht.

Antidepressiva wirken bei schwerer Depression besser als ein Scheinmedikament – das gilt für alle 21 untersuchten Wirkstoffe. Die Unterschiede zwischen den Mitteln sind gering: Amitriptylin, Escitalopram und Mirtazapin schneiden bei der Wirksamkeit am besten ab, während Reboxetin, Fluoxetin und Trazodon etwas weniger effektiv sind. Wer Nebenwirkungen stark gewichtet, kommt mit Agomelatin, Escitalopram und Sertralin besser zurecht als mit Amitriptylin oder Clomipramin.

Verhaltensbasierte Begleitprogramme, bei denen eine Fachperson Menschen hilft, ihre eigene Motivation zu finden, bringen im Schnitt rund 1.300 zusätzliche Schritte pro Tag – dieser Effekt verschwindet jedoch nach einem Jahr. Sobald man einen solchen Ansatz mit gleich intensiver anderer Begleitung vergleicht, ist kein messbarer Unterschied mehr feststellbar. Die Aufmerksamkeit an sich spielt also eine tragende Rolle.

Bevölkerungsweite Sturzprävention für ältere Menschen – etwa kostenlose Sportangebote kombiniert mit Wohnraumanpassungen und Aufklärung – hat eine unklare Wirkung. Manche Studien zeigen weniger Stürze, andere nicht. Für eine belastbare Aussage fehlen derzeit ausreichend methodisch solide Studien. Digitale Gesundheitstools wie Apps oder Online-Coaching unterstützen beim Selbstmonitoring und beim Setzen von Zielen, doch wie groß dieser Vorteil konkret ist, haben die Forschenden nicht einheitlich berichtet.

Die Belege
5 Studien · 2 Meta-Analysen

Diese Antwort stützt sich auf mehrere große Übersichtsarbeiten, die jeweils Dutzende Einzelstudien zusammengeführt haben. Die Evidenz für Bewegung bei älteren Menschen und für Housing First ist am stärksten: Sie stammt aus mehreren unabhängigen Studien mit konsistenten Ergebnissen. Für Antidepressiva liegt ein umfangreicher Vergleich von 21 Wirkstoffen vor, jedoch bewerteten die Forschenden die Qualität der zugrunde liegenden Evidenz als moderat bis sehr gering. Die Evidenz für motivierende Gesprächsführung ist gering bis sehr gering; die Forschenden selbst wiesen darauf hin, dass die Effekte nach einem Jahr verschwinden. Für bevölkerungsweite Sturzprävention stuften die Forschenden die Evidenzqualität wegen inkonsistenter Ergebnisse und methodischer Probleme als sehr gering ein. Die Evidenz für digitale Interventionen ist begrenzt, weil die herangezogene Übersichtsarbeit eher eine Bestandsaufnahme von Methoden ist als eine Messung von Effektgrößen.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026 · wie das beurteilt wurde
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