Wie beeinflusst dein Mikrobiom deine Gesundheit und Lebenserwartung?
Dein Mikrobiom hängt damit zusammen, wie gesund du alterst, doch ob es sich gezielt steuern lässt, um länger zu leben, ist bisher nicht belegt. Ballaststoffreiche Ernährung und Bewegung sind derzeit die am besten untermauerten Wege, um deine Darmflora positiv zu beeinflussen.
Menschen, die ein extrem hohes Alter erreichen, haben eine auffällig andere Darmflora als jüngere Menschen. Bei Menschen ab 105 Jahren kommen bestimmte Bakteriengruppen, darunter Akkermansia und Bifidobacterium, häufiger vor als in jüngeren Altersgruppen. Gleichzeitig nimmt mit zunehmendem Alter das Vorkommen vieler verbreiteter, schützender Bakterienfamilien allmählich ab, während seltenere und teils schädliche Arten ihren Platz einnehmen. Dabei handelt es sich um Assoziationen aus Beobachtungsstudien, nicht um Belege dafür, dass diese Bakterien ursächlich für ein langes Leben sind.
Eine große Studie mit mehr als 9.000 Teilnehmern zeigte, dass gesunde Menschen in ihren Achtzigern und darüber hinaus, die ein zunehmend individuell geprägtes und einzigartiges Mikrobiom aufwiesen, über einen Zeitraum von vier Jahren bessere Überlebenschancen hatten. Menschen, die im hohen Alter ein wenig vielfältiges Mikrobiom beibehielten, das dem Durchschnitt stark ähnelte, hatten eine geringere Überlebensrate. Auch dieser Befund ist observationeller Natur: Der Zusammenhang kann über gesunde Lebensgewohnheiten, den allgemeinen Gesundheitszustand oder andere Faktoren vermittelt sein.
Die Darmflora beeinflusst außerdem das Immunsystem und Entzündungsprozesse im Körper. Störungen der Darmflora im Alterungsprozess tragen wahrscheinlich zu zwei negativen Vorgängen bei: einer Abschwächung des Immunsystems und einer schwelenden chronischen Entzündung, die im Hintergrund Krankheiten begünstigt. Über Stoffwechselprodukte, die Bakterien produzieren, wie TMAO und kurzkettige Fettsäuren, wirkt die Darmflora auch auf das Herz-Kreislauf-Risiko ein. Dieser Mechanismus ist biologisch plausibel, doch randomisierte Studien am Menschen fehlen weitgehend.
In Tierversuchen wurde gezeigt, dass eine Darmflora-Transplantation von gesunden Mäusen auf Mäuse mit beschleunigter Alterung die Lebenserwartung verlängerte und die Gesundheit verbesserte. Sogar die alleinige Gabe des Bakteriums Akkermansia muciniphila zeigte einen Effekt. Ob das auch beim Menschen funktioniert, ist unbekannt. Klinische Anwendungen beim Menschen befinden sich noch in einem sehr frühen Stadium, und die Sicherheit ist nicht ausreichend untersucht, um dies als Anti-Aging-Strategie zu empfehlen.
Probiotika und Präbiotika werden gelegentlich als mögliche Lösung ins Spiel gebracht, doch die Evidenz dafür beim Menschen ist unzureichend. Es gibt noch zu wenige Daten darüber, welche Bakterienstämme bei welcher Person tatsächlich einen Unterschied machen, um gezielte Empfehlungen auszusprechen. Wer seine Darmflora positiv beeinflussen möchte, findet in Lebensstilmaßnahmen mit breiterer wissenschaftlicher Grundlage, wie ballaststoffreicher Ernährung und körperlicher Aktivität, vorerst die konkretesten Ansatzpunkte.
Alle Aussagen basieren auf Beobachtungs- und Mechanismenstudien oder Reviews; für Interventionen am Menschen fehlen randomisierte klinische Studien. Tierversuche (Mausmodelle) liefern zwar kausale Hinweise, sind aber noch nicht in bewährte Anwendungen beim Menschen überführt worden.