Wie groß ist der Unterschied im Sterberisiko zwischen fitten und unfitten Menschen?
Studien mit Dutzenden Millionen Beobachtungen zeigen, dass fitte Menschen etwa halb so oft sterben wie Menschen mit der schlechtesten Fitness, und dass jede Verbesserung von Ausdauer oder Muskelkraft mit einem messbaren Rückgang des Risikos zusammenhängt.
Fitte Menschen sterben deutlich seltener als unfitte. Eine große Zusammenfassung von mehr als 20,9 Millionen Beobachtungen zeigt: Wer eine hohe Fitness hat, stirbt 53 % seltener als wer zur Gruppe mit der niedrigsten Fitness gehört. Eine ältere, aber ebenfalls große Auswertung mit knapp 103.000 Teilnehmerinnen und Teilnehmern bestätigt dieses Bild: Wer schlecht in Form war (grob vergleichbar mit dem Niveau eines zügigen Spaziergangs), hatte ein 70 % höheres Sterberisiko und ein 56 % höheres Risiko für ein Herz-Kreislauf-Ereignis als die fittere Gruppe.
Dazu gibt es einen klaren Stufeneffekt: Jede zusätzliche Stufe auf der Fitnessskala hängt mit 11 bis 17 % geringerem Sterberisiko zusammen. Dieses Muster taucht in mehreren großen Auswertungen immer wieder auf. Am stärksten ist der Schutz beim Herzversagen: Fitte Menschen bekommen es 69 % seltener.
Fitness zählt dabei mehr als Körpergewicht. In Studien mit knapp 400.000 Menschen hatten unfitte Personen unabhängig davon, ob sie Normal-, Übergewicht oder Adipositas hatten, etwa doppelt so hohes Sterberisiko wie fitte Menschen mit Normalgewicht. Fitte Menschen mit Übergewicht unterschieden sich statistisch nicht von fitten Menschen mit Normalgewicht. Mit ein paar Kilos zu viel fit zu sein ist also günstiger, als schlank, aber unfit zu sein.
Muskelkraft erzählt eine ähnliche Geschichte. Wer eine hohe Handkraft hatte, starb 31 % seltener als wer eine schwache Handkraft aufwies, basierend auf knapp 2 Millionen Teilnehmerinnen und Teilnehmern. Bei Frauen betrug dieser Unterschied sogar 40 %. Auch Beinkraft hing mit einem um 14 % geringeren Sterberisiko zusammen. All das sind Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursache-Wirkungs-Beziehungen: Fittere Menschen sind in der Regel auch in anderer Hinsicht gesünder, was es schwer macht, den Effekt der Fitness selbst sauber herauszurechnen. Umfang und Einheitlichkeit der Zahlen sind dennoch beeindruckend.
Diese Antwort stützt sich auf sieben große Zusammenfassungen, die zusammen Daten von Dutzenden Millionen Beobachtungen umfassen. Die Autorinnen und Autoren der umfangreichsten Zusammenfassung schätzen die Qualität der vorliegenden Evidenzlage als gering bis moderat ein, vor allem weil alle zugrunde liegenden Studien Menschen über Jahre beobachteten, ohne irgendetwas vorzugeben: Niemand wurde gezielt fit oder unfit gemacht. Daher lässt sich nicht vollständig ausschließen, dass andere Faktoren den Unterschied erklären. Richtung und Größe des Effekts sind jedoch in nahezu allen großen Auswertungen einheitlich.