Wie hängen NAD+ und Vitamin B3 zusammen?
Vitamin B3 ist der einzige Nahrungsbaustein für NAD+ im Körper – dieser Zusammenhang ist kausal und gut belegt. Ob NAD+-Präparate wie NMN oder NR beim Menschen tatsächlich einen gesundheitlichen Nutzen bringen, ist hingegen noch längst nicht bewiesen.
NAD+ entsteht im Körper nicht von allein – er braucht Vitamin B3 als Ausgangsstoff. Vitamin B3 ist dabei keine einzelne Verbindung, sondern eine ganze Familie: Niacin, Nicotinamid und neuere Varianten wie NMN und NR. All diese Formen liefern den Zellen den Rohstoff, den sie zur NAD+-Synthese benötigen. Wer über die Ernährung zu wenig davon aufnimmt, riskiert direkt einen NAD+-Mangel.
NAD+ ist an Hunderten energieliefernder Reaktionen in den Zellen beteiligt, darunter die Funktion der Mitochondrien – der Kraftwerke der Zelle. Gleichzeitig verbrauchen Proteine, die DNA-Schäden reparieren und Gene an- und abschalten, NAD+ als Substrat. Das Molekül ist also sowohl Energieträger als auch Taktgeber der Zellgesundheit.
NAD+-Spiegel sinken messbar mit zunehmendem Alter. Ob sich dieser Rückgang durch Vitamin-B3-Präparate aufhalten lässt und ob das Beschwerden umkehrt, zeigen bisher vor allem Tierstudien – belastbare Daten vom Menschen fehlen weitgehend.
Die neueren und teureren Varianten NMN und NR werden in der Leber großteils zu Nicotinamid umgewandelt, bevor sie andere Gewebe erreichen. Der Weg durch den Körper entscheidet also maßgeblich darüber, was ein solches Präparat tatsächlich bewirkt. Gewöhnliches Niacin zeigte in Mausstudien zum krebsbedingten Muskelabbau vielversprechende Ergebnisse: Es stellte NAD+ in den Geweben wieder her und verbesserte die Mitochondrienfunktion in der Muskulatur.
Eine kleine Studie mit 30 Parkinson-Patienten, die 30 Tage lang täglich 1000 mg eines NMN-verwandten Präparats einnahmen, zeigte einen variablen Anstieg des NAD+-Spiegels im Gehirn sowie weniger Entzündung und eine leichte Verbesserung bei Teilnehmern, die mehr NAD+ produzierten1,2,3,4,5,6,7,8. In Mausstudien zu Alzheimer reduzierte eine fünfmonatige Gabe Entzündungen im Gehirn und verbesserte die Gedächtnisleistung. Das sind vorläufige Befunde, kein Wirksamkeitsnachweis.
Basierend auf mehreren Übersichtsarbeiten und Humanstudien (PMID 34041853, 29249689, 39026037, 33930322, 29685734, 37012289, 35235774, 34497121). Die Humanstudien sind klein und in ihrer Zahl begrenzt. Der Großteil der funktionellen Evidenz zur Behandlung von Erkrankungen stammt aus Tierstudien.