Warum Sehnen im Alter langsamer heilen: Ursache identifiziert
Sehnenverletzungen häufen sich mit zunehmendem Alter, und die Erholung dauert länger. Eine neue Studie an Ratten zeigt, warum das so ist, und rückt zwei Proteine als möglichen Schlüssel in den Fokus.
Sehnen verbinden Muskeln mit Knochen und stehen unter konstanter mechanischer Belastung. Mit dem Alter verändert sich ihre Zusammensetzung. Die Studie begann mit einer Auswertung globaler Trenddaten: Zwischen 1990 und 2021 gingen Sehnenverletzungen zurück, was wahrscheinlich damit zusammenhängt, dass körperlich anstrengende Arbeit in vielen Ländern seltener geworden ist. Bei älteren Erwachsenen bleibt das Risiko jedoch auch ohne schwere körperliche Tätigkeit hoch.
Die Forschenden entnahmen Sehnen von jungen (acht Wochen alten) und alten (18 Monate alten) Ratten beiderlei Geschlechts und untersuchten, wie diese auf wiederholtes Dehnen reagierten. Dabei zeigte sich, dass die Produktion von zwei Proteinen in der extrazellulären Matrix – dem Stützgewebe, das Zellen umgibt – mit dem Alter deutlich abnahm: Col1a1, der Baustein des Typ-I-Kollagens, und Sparc, ein Regulator der Kollagenreifung. Das galt für männliche wie weibliche Ratten gleichermaßen.
Geschlechtsspezifische Unterschiede beim Altern der Sehnen
Auffällig war, dass Sehnen bei männlichen und weiblichen Tieren auf unterschiedliche Weise altern. Bei weiblichen Ratten nahm die Zugfestigkeit mit dem Alter ab; bei männlichen Ratten stiegen Sehnengewicht und Zugfestigkeit sogar an. Auch die Zellzusammensetzung veränderte sich verschieden: Bei Weibchen ging der Anteil an Fibroblasten – Zellen, die das Stützgewebe aufbauen – zurück, bei Männchen stieg er. Das deutet darauf hin, dass hormonelle und zelluläre Mechanismen das Altern der Sehnen je nach Geschlecht unterschiedlich steuern.
Die Forschenden stellten außerdem fest, dass ein Promotor – ein genetischer Schalter, der die Produktion beider Proteine gleichzeitig aktiviert – die Sehnenqualität bei Ratten verbessern konnte. Dabei handelt es sich jedoch um einen frühen mechanistischen Befund, der von einer klinischen Anwendung beim Menschen noch weit entfernt ist.
Was das für die Heilung im Alter bedeutet
Die Studie trägt dazu bei zu verstehen, warum Sehnenverletzungen bei älteren Menschen langsamer heilen und häufiger wiederkehren. Sie rückt die extrazelluläre Matrix als Ausgangspunkt für künftige Forschung zur Sehnenreparatur im Alter in den Blick. Ob die Befunde auf den Menschen übertragbar sind, müssen Folgestudien an menschlichem Gewebe und letztlich klinische Untersuchungen zeigen.
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