Wie viel des geschluckten Melatonins landet tatsächlich in deinem Blut?
Von geschlucktem Melatonin kommen im Schnitt nur 15 % im Blut an, weil die Leber den Großteil sofort abbaut. Wer höhere Blutspiegel anstrebt, ist mit einer Tablette, die sich unter der Zunge auflöst, möglicherweise besser bedient.
Von einem geschluckten Melatonin-Nahrungsergänzungsmittel erreichen im Durchschnitt nur rund 15 % die Blutbahn. In den ausgewerteten Studien schwankte dieser Wert zwischen 9 % und 33 %, was zeigt, wie stark er von Person zu Person und je nach Situation variiert.
Der Grund für diese geringe Aufnahme ist der sogenannte First-Pass-Effekt: Die Leber baut einen Großteil des Melatonins ab, bevor es überhaupt ins Blut gelangt. Faktoren wie Alter, Koffein, Rauchen, die Antibabypille und ob du etwas gegessen hast, können die Aufnahme zusätzlich beeinflussen.
Weil die Aufnahme beim Schlucken so gering und unbeständig ist, wurden andere Einnahmeformen untersucht. Melatonin, das sich unter der Zunge oder an der Wangenschleimhaut auflöst, umgeht die Leber auf dem ersten Weg und erzeugt höhere Blutspiegel als eine normale Tablette. Auch die Einnahme über die Nase zeigt eine schnelle Aufnahme und höhere Verfügbarkeit im Blut, allerdings gibt es dazu beim Menschen bislang kaum Studien. Pflaster, die Melatonin durch die Haut abgeben, führen zu einer langsamen und uneinheitlichen Aufnahme, wobei sich ein Teil des Wirkstoffs in der Haut selbst ansammelt. Für all diese Alternativen ist die Evidenz noch begrenzt.
Diese Antwort stützt sich auf zwei Studien. Die Daten zur Verfügbarkeit im Blut nach oraler Einnahme (im Schnitt 15 %, Spanne 9–33 %) stammen aus einer zusammenfassenden Analyse mehrerer Studien, die untersucht haben, wie der Körper Melatonin aufnimmt und verarbeitet. Die Daten zu alternativen Einnahmeformen stammen aus einer separaten zusammenfassenden Analyse; die Belege dafür sind begrenzt, weil am Menschen bisher wenig untersucht wurde.