Wie wirkt Metformin in deinem Körper?
Metformin senkt den Blutzucker vor allem durch Hemmung der Glukoseproduktion in der Leber, über mehrere zusammenhängende Mechanismen. Wie genau diese zusammenwirken, ist noch nicht abschließend geklärt, der Effekt selbst steht jedoch außer Frage.
Metformin senkt den Blutzucker vor allem dadurch, dass es die Glukoseproduktion in der Leber hemmt. Die Leber stellt normalerweise Glukose aus Ausgangsstoffen wie Laktat und Glyzerin her. Mehrere Forschungsgruppen bestätigen, dass Metformin diesen Prozess deutlich bremst. Das ist der am besten belegte Effekt.
Wie Metformin das genau bewerkstelligt, diskutiert die Wissenschaft noch. Eine verbreitete Erklärung: Der Wirkstoff hemmt leicht die Kraftwerke der Leberzelle, die Mitochondrien. Dadurch sinkt der Energiestatus der Zelle, was die Glukoseproduktion drosselt. Das Problem dabei: In vielen Studien trat dieser Effekt nur bei Konzentrationen auf, die über dem liegen, was im Blut bei einer normalen Tagesdosis messbar ist. Die Bedeutung dieses Mechanismus für den Alltag ist daher umstritten.
Ein neuerer Mechanismus wirkt dagegen bereits bei niedrigeren, praxisrelevanten Dosen. Metformin verschiebt das chemische Gleichgewicht in der Leberzelle und hemmt ein spezifisches Enzym, das Laktat und Glyzerin in Glukose umwandelt. Das gilt derzeit als beste Erklärung dafür, was bei üblichen Dosen tatsächlich in deinem Körper passiert.
Metformin aktiviert außerdem einen zellulären Energiesensor, der anspringt, sobald der Energievorrat einer Zelle sinkt. Dieser Sensor stößt Prozesse an, die zu weniger Fettaufbau in der Leber, mehr Fettverbrennung und besserer Insulinwirkung führen. Dazu gibt es allerdings Tierdaten, die zeigen, dass Metformin auch ohne diesen Sensor wirkt. Er ist also nicht die einzige Erklärung.
Metformin schwächt zudem die Reaktion der Leber auf Glukagon ab, ein Hormon, das den Blutzucker normalerweise anhebt. Erste Hinweise deuten darauf hin, dass auch der Darm und die Darmbakterien eine Rolle spielen, wie der Wirkstoff funktioniert. Metformin wird derzeit außerdem bei Krebs und anderen altersbedingten Erkrankungen untersucht, doch das ist noch explorativ und rechtfertigt bislang keinen Einsatz außerhalb von Diabetes.
Alle Aussagen basieren auf Reviews (PMID 28776086, 25456737, 37130947, 32897388, 22117616, 24393785) sowie zwei nicht näher indizierten Studien (PMID 11602624, 24847880). Die Quellensammlung enthält keine Metaanalysen oder randomisierten Studien; die Reife der mechanistischen Evidenz variiert je nach Teilthema.