Wirkt ein Eisbad bei Frauen genauso gut wie bei Männern?
Bei einem Hitzschlag kühlt das Eisbad Männer und Frauen gleich schnell ab, doch für die Muskelregeneration wurde ein direkter Vergleich bisher nie solide durchgeführt. Da sich die Wärmeabgabe zwischen den Geschlechtern nachweislich unterscheidet, lassen sich Empfehlungen für Männer nicht ohne Weiteres auf Frauen anwenden.
Bei der Behandlung eines sportbedingten Hitzschlags kühlen Eisbäder Männer und Frauen gleich schnell ab: 0,21 Grad pro Minute bei Männern, 0,19 bei Frauen. Weder Körpergröße noch Gewicht spielten dabei eine Rolle. Für diesen medizinischen Notfall braucht es kein eigenes Protokoll für Frauen.
Für die Muskelregeneration nach intensiver Belastung klafft dagegen eine echte Wissenslücke. Studien zeigen zwar, dass Kaltbäder die Erholung verbessern, aber ob der Effekt bei Frauen genauso groß ist wie bei Männern, wurde darin nicht untersucht. Die Ergebnisse lassen sich deshalb nicht direkt auf Frauen übertragen.
Die Wärmeabgabe des Körpers unterscheidet sich zwischen den Geschlechtern. Im Ruhezustand und bei leichter Belastung im kalten Wasser sank die Körperkerntemperatur bei Frauen mit vergleichbarem Körperfettanteil stärker als bei Männern. Bei intensiver Belastung war es umgekehrt: Frauen hielten dann eine höhere Kerntemperatur aufrecht. Wie stark das Eisbad die Körpertemperatur beeinflusst, hängt also wesentlich davon ab, wie hart das Training davor war.
Ein physiologisches Argument spricht sogar dafür, dass Frauen nach Belastung besonders von Kühlung profitieren könnten: Ihr Körper gibt beim Schwitzen weniger Wärme ab als der von Männern, sodass die Körpertemperatur nach hartem Training langsamer sinkt. Ein Eisbad könnte diesen Unterschied ausgleichen. Dazu gibt es bisher keine direkten Vergleichsstudien.
Die Reaktion des Herz-Kreislauf-Systems auf Kälte fällt bei Frauen geringer aus: Bei einem Kältereiz stieg der Blutdruck bei Frauen rund 51 % weniger an als bei Männern. Was das genau für den Erholungseffekt eines Eisbads nach dem Sport bedeutet, ist offen, zeigt aber, dass der weibliche Körper auf Kälte anders reagiert als der männliche.
Dieses Ergebnis stützt sich auf eine Übersichtsarbeit zur Muskelregeneration, die nicht nach Geschlecht differenziert, eine Beobachtungsstudie zu sportbedingtem Hitzschlag, zwei kleinere Studien zur Wärmeregulation und zu Herz-Kreislauf-Reaktionen in kaltem Wasser, einen theoretisch ausgerichteten Übersichtsartikel zu Sportlerinnen sowie eine kleinere Studie an MS-Patientinnen und -Patienten. Direkte Vergleichsstudien zum Erholungseffekt von Eisbädern speziell bei Frauen gegenüber Männern fehlen. Die beteiligten Forschungsteams benennen dies ausdrücklich als relevante Wissenslücke.