Wirkt Nattokinase gegen Blutgerinnsel und für dein Herz?
Eine große randomisierte Studie fand nach drei Jahren keinen einzigen messbaren Vorteil von Nattokinase für Herz oder Blutgerinnung beim Menschen. Du kannst es bedenkenlos weglassen, und ersetze damit auf keinen Fall eine bewährte Behandlung.
Nattokinase baut im Labor Fibrin ab, also die Proteinfäden, aus denen Blutgerinnsel bestehen, und hemmt außerdem Thrombin, ein zentrales Protein der Blutgerinnung. In Mausversuchen sank die Bildung von Schwanzvenenthrombosen um 42%. Solche Tierdaten lassen sich aber nicht direkt auf den Menschen übertragen.
Die entscheidende Frage ist, ob Nattokinase auch im lebenden Menschen wirkt. Eine methodisch sorgfältig geplante randomisierte Studie mit 265 älteren Erwachsenen gibt darauf die klarste Antwort: Nach durchschnittlich drei Jahren täglicher Einnahme von 2.000 FU Nattokinase zeigte sich gegenüber der Placebogruppe kein einziger Vorteil. Arteriosklerose, Blutdruck, Blutgerinnung, Blutfette, Entzündungswerte: bei keinem Endpunkt war ein messbarer Unterschied feststellbar.
Dazu kommt ein praktisches Problem: Das Enzym verträgt das saure Magenmilieu schlecht. Ob nach dem Schlucken einer Kapsel überhaupt ausreichend aktives Enzym ins Blut gelangt, ist unklar. Im Labor werden stabilere Varianten entwickelt, klinisch geprüft wurden diese bislang jedoch nicht.
Zur Sicherheit: In der dreijährigen Studie wurden keine schwerwiegenden Nebenwirkungen gemeldet. Menschen, die bereits Blutverdünner wie Warfarin einnehmen oder ein erhöhtes Blutungsrisiko haben, wurden jedoch kaum untersucht. Kombiniere Nattokinase deshalb nicht eigenmächtig mit Blutverdünnern, ohne das vorher mit deiner Ärztin oder deinem Arzt abzuklären.
Kern der Evidenz bildet eine große randomisierte kontrollierte Studie (n=265, 3 Jahre, PMID 33843667); ergänzt durch Tier- und Laborstudien (PMID 40637357, 36330712, 36379347, 41380449, 36857725, 35883536).