Kurzes, intensives Training löst die breiteste Signalwelle aus
Wenige Minuten Volllast-Radfahren bringt mehr biologische Prozesse in Gang als neunzig Minuten gleichmäßiges Treten im mittleren Tempo. Das zeigt eine neue Studie, die untersucht, was im Blut nach verschiedenen Trainingsformen passiert.
Wissenschaftler der Rockefeller University ließen junge, aktive und stoffwechselgesunde Männer zwei verschiedene Trainingsformen absolvieren. Eine Gruppe führte Sprint-Intervalltraining durch: sechs Einheiten à dreißig Sekunden Vollbelastung auf dem Rad, unterbrochen von jeweils vier Minuten Pause. Die andere Gruppe trat neunzig Minuten lang in moderatem Tempo. Anschließend maßen die Forscher detailliert, welche Proteine und Stoffwechselprodukte im Blut zirkulierten.
Die Studie ergab, dass das kurze, intensive Training knapp ein Viertel aller gemessenen Blutproteine beeinflusste. Darunter waren Substanzen, die an der Bildung neuer Blutgefäße (Angiogenese), am Umbau des Bindegewebes außerhalb der Zellen (extrazelluläre Matrix), an der Signalübertragung im Darm sowie an der möglichen Steuerung des Nervensystems beteiligt sind. Die meisten dieser Proteine kehrten innerhalb von drei Stunden auf ihren Ausgangswert zurück. Moderates Training erzeugte vor allem eine verzögerte Reaktion: Mehr Substanzen wurden erst drei Stunden nach dem Ende ins Blut abgegeben.
Dasselbe Muster nach acht Wochen Training
Die Forscher wiederholten die Messungen nach acht Wochen Training. Das Muster blieb ähnlich. Auch bei Läufern fanden sie vergleichbare Ergebnisse. Das deutet darauf hin, dass die beobachteten Unterschiede mit der Trainingsintensität zusammenhängen, nicht mit der Sportart oder dem Trainingsstand einer Person.
Was das für ein langes Leben bedeutet
Aus der Perspektive der Langlebigkeitsforschung ist das ein bemerkenswerter Befund. Die Studie wurde allerdings an jungen Männern durchgeführt; ob dieselben Signale bei älteren Menschen oder Frauen auftreten, wurde nicht untersucht. Welche dieser Proteine tatsächlich zu dauerhaften gesundheitlichen Vorteilen führen, lässt sich noch nicht sagen. Dass wenige Minuten intensiver Belastung ein breites molekulares Signal erzeugen, wirft eine reizvolle Frage auf: Muss man lange trainieren, um den größtmöglichen Effekt zu erzielen, oder ist es klüger, gelegentlich sehr hart zu trainieren? Die Forscher legen nahe, dass Intensität mindestens so relevant ist wie Dauer, doch muss diese Schlussfolgerung noch in größeren und vielfältigeren Gruppen überprüft werden.
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