Beeinflusst Übergewicht die Knochendichte?
Übergewicht erhöht die Knochendichte nicht eindeutig – ob das Skelett davon profitiert oder Schaden nimmt, hängt stark davon ab, wo und wie viel Fett vorhanden ist. Wer abnehmen möchte, sollte das langsam angehen und Krafttraining einbauen, um Knochenverlust zu begrenzen.
Übergewicht erhöht in der Regel den mechanischen Druck auf das Skelett, was die Knochendichte leicht steigern kann. Tatsächlich zeigen die meisten Beobachtungsstudien bei Menschen mit Adipositas höhere Knochendichtewerte als bei Normalgewichtigen. Doch dieser vermeintlich schützende Effekt ist weit geringer als lange angenommen – er sagt weder etwas über die Knochenqualität auf mikroskopischer Ebene aus noch über das tatsächliche Frakturrisiko.
Entscheidend ist, wo das Fett sitzt. Viszerales Bauchfett, also das tief in der Bauchhöhle liegende Fett, wirkt bis zu einem gewissen Grad neutral, schadet aber bei höheren Mengen: Die Knochendichte am Oberschenkelknochen sinkt, und das Osteoporoserisiko steigt, besonders bei älteren Menschen. Wer im Verhältnis zum Körpergewicht viel Fett trägt, hat an mehreren Skelettregionen eine niedrigere Knochendichte. In der Gruppe mit dem höchsten Fett-zu-Gewicht-Verhältnis lag die lumbale Knochendichte im Schnitt 0,08 g/cm2 unter der der Gruppe mit dem niedrigsten Verhältnis – ein klinisch relevanter Unterschied.
Chronische niedriggradige Entzündungen, die bei Adipositas häufiger auftreten, schädigen den Knochen wahrscheinlich auch direkt. Fettzellen, die im Knochenmark entstehen, verdrängen knochenbildende Zellen, was zu Knochenmasseverlust führen kann. Bislang ist dieser Mechanismus vor allem auf biologischer Ebene belegt, gilt aber als biologisch plausibel.
Abnehmen ist gut für die allgemeine Gesundheit, hat aber eine Kehrseite für das Skelett: Schneller und starker Gewichtsverlust geht häufig mit einem Rückgang der Knochendichte einher. Bariatrische Chirurgie senkt die Knochendichte am Oberschenkelhals im Mittel messbar – und das noch Jahre nach dem Eingriff. Abnehmmittel wie Semaglutid scheinen sich bislang neutral auf den Knochen auszuwirken, allerdings geht auch bei medikamentösem Gewichtsverlust Muskelmasse verloren, was sich indirekt auswirken kann. Wer moderat und langsam abnimmt und das mit Krafttraining sowie ausreichend Kalzium und Vitamin D kombiniert, schützt seine Knochendichte deutlich besser.
Bei adipösen älteren Frauen steigerte Krafttraining die Knochendichte zwar nicht aktiv, doch die Gruppe ohne Training verlor innerhalb von 24 Wochen messbar an Knochenmasse. Bewegung schützt den Knochen also – auch dann, wenn sie die Dichte nicht aktiv erhöht.
Alle Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien, eine RCT bei älteren Frauen sowie eine Metaanalyse zur bariatrischen Chirurgie. Kausale Zusammenhänge sind nur für die bariatrische Chirurgie belegt (Metaanalyse aus 10 Studien). Die Gesamtevidenz ist mäßig: für bestimmte Effekte konsistent, im Gesamtbild aber gemischt.