Eisenpräparate: sinnvolle Hilfe oder unterschätztes Risiko?
Eisenpräparate helfen bei einem nachgewiesenen Mangel, können aber bei Überdosierung – besonders bei Nierenerkrankten – schädlich sein. Bitte nie auf eigene Faust starten: erst den Mangel ärztlich bestätigen lassen.
Eisen ist unverzichtbar für die Bildung roter Blutkörperchen. Fehlt es, bekommen Muskeln und Organe zu wenig Sauerstoff – die Folge ist Blutarmut. Ein Mangel kann entstehen, weil die Eisenspeicher schlicht leer sind, oder weil der Körper das vorhandene Eisen nicht richtig verwerten kann, etwa bei chronischen Entzündungen. Bei chronischer Nierenerkrankung kommen häufig beide Ursachen zusammen, verstärkt durch Blutverlust und eine gestörte Aufnahme im Darm.
Wer eine Nierenerkrankung hat und bei dem ein Eisenmangel nachgewiesen wurde, kann mit einer Supplementierung behandelt werden. Das geht oral oder per Infusion – beide Wege haben Vor- und Nachteile. Eine Infusion wirkt schneller und direkter, ist aber auch belastender. Tabletten werden bei Nierenpatientinnen und -patienten schlechter aufgenommen. Welche Option passt, entscheidet der Arzt nach dem individuellen Befund1.
Gleichzeitig warnen Forschende ausdrücklich davor, nach dem Motto 'viel hilft viel' vorzugehen. Eine zu großzügige Eisenzufuhr birgt bei Nierenpatientinnen und -patienten ernsthafte Risiken. Die Datenlage dazu ist noch begrenzt und überwiegend assoziativ, aber das ist kein Freifahrtschein für Nachlässigkeit1.
Auch Kinder, die vegan ernährt werden, gehören zur Risikogruppe. Pflanzliches Eisen wird grundsätzlich schlechter aufgenommen als Eisen aus tierischen Quellen, und Ballaststoffe in pflanzlichen Lebensmitteln bremsen die Aufnahme zusätzlich. Als Elternteil solltest du das frühzeitig mit einem Arzt oder einer Ernährungsberaterin besprechen, damit die Eisenwerte des Kindes regelmäßig kontrolliert werden können2.
Eine häufige Sorge ist, ob Eisenpräparate Kinder in Malariagebieten anfälliger machen könnten. Ein Cochrane-Review kommt zu einem beruhigenden Ergebnis: Die Supplementierung erhöhte das Malariarisiko nicht. Auch diese Evidenz ist jedoch assoziativer Natur und sollte mit Bedacht interpretiert werden.
Alle Aussagen stützen sich auf einen Review zu Eisen bei chronischer Nierenerkrankung (PMID 32041774) sowie eine Studie zur veganen Ernährung bei Kindern (PMID 33504371). Randomisierte Studien oder Metaanalysen wurden nicht direkt herangezogen; die Evidenz ist insgesamt als mäßig bis begrenzt einzustufen.