Funktioniert Erden (Grounding) wirklich für die Gesundheit?
Es gibt vorläufige Hinweise darauf, dass Erden Schmerzen, Erschöpfung und Schlaf verbessern kann, aber die Studien sind noch zu klein und zu wenig unabhängig für harte Schlussfolgerungen. Barfuß draußen laufen ist ohne bekannte Risiken, das Ausprobieren also unbedenklich, doch ein bewiesenes Wundermittel ist es nicht.
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Erden (oder 'Grounding') bedeutet direkten Körperkontakt mit der Erdoberfläche, zum Beispiel barfuß laufen oder auf einem leitfähigen System schlafen. Mehrere kleine Studien und Übersichtsarbeiten berichten von reduzierten Entzündungsmarkern, weniger Schmerzen und weniger Schlafproblemen sowie von besserer Stimmung und mehr Energie. Die stärkste Studie in dieser Sammlung ist eine kleine doppelblinde RCT mit sechzehn Massagetherapeuten: Vier Wochen 'geerdet' zu arbeiten und zu schlafen brachte im Vergleich zur nicht-geerdeten Phase signifikante Verbesserungen bei Erschöpfung, Schmerzen und körperlicher Funktionsfähigkeit. Manche Effekte hielten sogar einen Monat nach Studienende an.
Trotzdem hat diese Forschung ein klares Problem: Die Datenbasis ist schmal. Sechzehn Teilnehmer sind zu wenige, um belastbare Schlussfolgerungen zu ziehen, und die meisten Übersichtsarbeiten stammen von derselben Forschungsgruppe, die auch die postulierten Wirkmechanismen propagiert. Unabhängige Großstudien fehlen bislang vollständig.
Im Labor zeigten geerdete Zellkraftwerke (Mitochondrien) eine 5 bis 11 Prozent höhere Energieproduktion und 22 bis 33 Prozent weniger schädliche Abfallprodukte. Das ist ein auffälliger Befund, aber es handelt sich um einen Versuch außerhalb des lebenden Organismus. Ob dieser Effekt auch beim Menschen auftritt, ist noch nicht untersucht.
Für Alzheimer und Herz-Kreislauf-Gesundheit bleibt es vorerst bei Theoriebildung. Die Autoren selbst räumen ein, dass es bei Alzheimerpatienten noch keinerlei klinische Studien gibt. Einige der vorliegenden Übersichtsarbeiten erschienen zudem in einem thematischen Sonderheft über Erden, was die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass positive Ergebnisse überrepräsentiert sind.
Alle Aussagen stützen sich auf kleine Studien (n=16 in der einzigen RCT), narrative und nicht-unabhängige Übersichtsarbeiten sowie eine einzige Laborstudie. Große unabhängige RCTs existieren nicht. Möglicher Publikationsbias durch Häufung in einem Sonderheft.