Gibt es einen Zusammenhang zwischen Schlafmangel und Knochenverlust?
Schlafmangel und schlechte Schlafqualität hängen mit weniger Knochenaufbau zusammen und gehen bei postmenopausalen Frauen mit deutlich mehr Knochenverlust einher. Ausreichend und regelmäßig zu schlafen ist damit auch für die Knochengesundheit relevant.
Schlafmangel bremst den Knochenaufbau. Drei Wochen mit nur 5,6 Stunden Schlaf pro Nacht senkten bei jungen Männern (20–27 Jahre) einen Blutmarker für die Knochenbildung um 28 %. Bei älteren Männern (55–65 Jahre) betrug der Rückgang 18 %. Auffällig: Der Knochenabbau nahm dabei nicht zu. Der Knochen wird also weniger aufgebaut, ohne dass er schneller abgebaut wird. Dieser Effekt wurde in einem kontrollierten Experiment nachgewiesen.
Bei Frauen nach der Menopause ist das Bild ähnlich, möglicherweise aber noch gravierender. In einer zwei Jahre langen Studie mit 190 Frauen verloren jene mit Insomnie zwei bis fast drei Mal so viel Knochenmineralsubstanz an Hüfte und Wirbelsäule wie Frauen mit gutem Schlaf. Das Risiko, neu an Osteoporose zu erkranken, war bei schlechten Schläferinnen mehr als neun Mal so hoch. Gleichzeitig waren die Knochenabbaumarker erhöht und die Knochenaufbaumarker erniedrigt. Da es sich um eine Beobachtungsstudie handelt, ist eine Kausalität nicht bewiesen, doch der Zusammenhang ist bemerkenswert stark.
Eine breit angelegte Studie mit über tausend Erwachsenen fand bei Frauen mit schlechtem Schlaf erhöhte Knochenstoffwechselmarker im Blut, aber keinen messbaren Unterschied in der Knochenfestigkeit per Fersenultraschall. Bei Männern zeigte sich kein signifikanter Zusammenhang. Das bedeutet: Schlaf scheint die Knochenchemie bereits zu beeinflussen, bevor die Knochenstärke messbar nachlässt, auch wenn dieser Zusammenhang bei Männern weniger deutlich ist.
Als mögliche Erklärungen nennen Forschende hormonelle Störungen, erhöhte Entzündungsaktivität und eine verminderte Wachstumshormonausschüttung während des Schlafs. Das sind plausible Mechanismen, die als direkte Ursache beim Menschen aber noch nicht abschließend belegt sind. Konkret heißt das: Wer seine Knochen schützen möchte, kann strukturell ausreichend langen Schlaf (mehr als sechs Stunden) als selbst beeinflussbaren Faktor nutzen, ergänzend zu den bekannten Maßnahmen wie Bewegung sowie ausreichend Kalzium und Vitamin D.
Basierend auf: einem kontrollierten Schlafentzugsexperiment bei Männern (PMID 28973223), einer prospektiven Beobachtungsstudie bei postmenopausalen Frauen (PMID 35880668), einer Querschnittstudie (PMID 37646341) und einem Übersichtsartikel bei Militärangehörigen (PMID 36525022). Das Menopause-Abstract (PMID 2179791) enthielt keine verwertbaren Daten zu Knochen.