Gibt es Leaky Gut, einen durchlässigen Darm, wirklich?
Leaky Gut ist ein anerkanntes biologisches Phänomen mit konsistenten Krankheitsassoziationen, aber ob er diese Erkrankungen auch verursacht, ist nicht bewiesen. Mediterrane Ernährung sowie weniger Alkohol und Stress sind derzeit die vielversprechendsten Ansatzpunkte.
Leaky Gut ist kein Mythos – in der Wissenschaft spricht man von "erhöhter intestinaler Permeabilität". Die Darmwand wird durch winzige Verbindungspunkte zwischen den Zellen abgedichtet, die sogenannten Tight Junctions. Sie verhindern, dass Schadstoffe ins Blut gelangen. Lockern sich diese Verbindungen, können bakterielle Abbauprodukte und entzündungsfördernde Substanzen hindurchsickern. Mehrere Übersichtsarbeiten bestätigen diesen Mechanismus.
Als Auslöser gelten fettreiche Ernährung, übermäßiger Alkoholkonsum, chronischer Stress, Antibiotika und ein gestörtes Darmmikrobiom. Bei Menschen mit Adipositas oder Typ-2-Diabetes beobachten Forschende, dass nützliche Darmbakterien abnehmen, während entzündungsfördernde Keime zunehmen. Auch SARS-CoV-2 kann Darmzellen direkt schädigen und die Durchlässigkeit erhöhen, dazu gibt es bisher aber nur kleinere Datensätze.
Ein durchlässiger Darm wird in der Forschung mit einer Reihe von Erkrankungen in Verbindung gebracht: Adipositas, Typ-1-Diabetes, Fettleber, Herz-Kreislauf-Erkrankungen sowie Autoimmunerkrankungen wie Multiple Sklerose und rheumatoide Arthritis. Dabei handelt es sich fast ausnahmslos um beobachtete Zusammenhänge, keine bewiesenen Ursachen. Ob ein Leaky Gut die Krankheit auslöst oder umgekehrt eine Folge davon ist, bleibt die entscheidende offene Frage.
Die mediterrane Ernährung, reich an Gemüse, Obst, Fisch und Nüssen, hängt mit einem gesünderen Darmmikrobiom zusammen. Probiotika, Präbiotika und Omega-3-Fettsäuren zeigen in Übersichtsarbeiten vielversprechende Effekte auf die Darmbarriere. Auch die Vitamine A, B, C, D und E werden positiv damit in Verbindung gebracht.
Eine kleine Studie mit 43 Teilnehmenden und ohne Kontrollgruppe untersuchte eine Kräuterformel aus Curcumin, Aloe vera und Glutamin. Bei den meisten Teilnehmenden normalisierte sich die Durchlässigkeit, und Darmbeschwerden gingen deutlich zurück. Wegen der geringen Teilnehmerzahl und des fehlenden Placebo-Vergleichs lassen sich daraus keine verlässlichen Schlüsse ziehen.
Grundlage sind mehrere Übersichtsarbeiten sowie eine kleine Studie am Menschen (43 Teilnehmende, keine Placebogruppe). Große unabhängige randomisierte Studien fehlen. Kausalität ist bei den meisten Zusammenhängen nicht nachgewiesen.