Hat die Einnahme von Vitamin E irgendwo einen belegten Nutzen?
Für das am besten untersuchte Anwendungsgebiet, den Herzschutz, ist ein Nutzen von Vitamin E klar widerlegt; für Haut und Fruchtbarkeit ist die Evidenzlage zu dünn, um von einem Nutzen zu sprechen, sodass kein überzeugender Grund für die Einnahme besteht.
Für die am gründlichsten untersuchten Anwendungsgebiete ist ein Nutzen von Vitamin E nicht belegt. Eine Auswertung von 884 Studien mit über 880.000 Teilnehmern zeigte, dass Vitamin E weder bei Herz-Kreislauf-Erkrankungen noch bei Typ-2-Diabetes einen statistisch signifikanten Vorteil bringt. Nahrungsergänzungsmittel mit Vitamin E, also Pillen oder Kapseln mit der Aufschrift „Vitamin E" oder „Alfa-Tocopherol", sind für diesen Zweck nicht empfehlenswert: Die Evidenzlage ist eindeutig negativ, unabhängig von Dosierung und Form.
Für die Hautgesundheit ist das Bild etwas weniger klar. Eine breite Literaturübersicht beschreibt mögliche positive Effekte, etwa Schutz vor UV-Schäden und einen gewissen Nutzen bei Ekzemen. Es fehlt jedoch ein Konsens über die richtige Menge, hochwertige Studien gibt es nicht, und die Autorinnen und Autoren selbst halten weitere Untersuchungen für nötig. Von einem belegten Nutzen kann auch hier keine Rede sein, und ein Nahrungsergänzungsmittel ist nicht zu empfehlen.
Bei Frauen mit Fruchtbarkeitsproblemen untersuchte eine Auswertung von 63 Studien mit 7.760 Frauen, ob Antioxidantien als Gruppe helfen. Die Schwangerschaftswahrscheinlichkeit stieg dabei von rund 19 % auf 25 bis 30 %, allerdings war die Studienqualität gering bis sehr gering. Vitamin E war eine von mehreren Substanzen in dieser Gruppe und wurde nicht separat analysiert; ob Vitamin E allein etwas bewirkt, ist nicht geklärt. In den Studien erhielten Frauen Vitamin E stets als Teil einer Antioxidantien-Kombination, und welche Menge sinnvoll wäre, ist unbekannt. Sprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt durch.
Vier Angaben belegt: eine große Metaanalyse (PMID 36480969), eine große randomisiert-kontrollierte Studie (PMID 10465172), eine narrative Übersichtsarbeit zur Haut (PMID 38256329) sowie ein Cochrane-Review zu Antioxidantien und Fertilität (PMID 32851663).
Hilft Eisenpräparate nehmen – oder ist es eher ein Risiko?
Eisenpräparate helfen eindeutig bei nachgewiesenem Mangel oder einer Anämie. Ohne diesen Befund bringen sie nichts und können sogar schaden. Lass deine Eisenwerte bestimmen, bevor du mit Nahrungsergänzungsmitteln beginnst.
Brauchst du wirklich Elektrolyt-Nahrungsergänzungsmittel?
Für kürzere Trainingseinheiten brauchst du keine Elektrolyt-Nahrungsergänzungsmittel; bei Ausdauerbelastungen über 60 bis 90 Minuten kann ein Sportgetränk mit Natrium und Kohlenhydraten nützlich sein, aber zu viel trinken ist ein reales Risiko.
Hat es Sinn, Resveratrol gegen das Altern einzunehmen?
Für den Menschen gibt es keine überzeugenden Belege, dass Resveratrol-Nahrungsergänzungsmittel etwas gegen das Altern bewirken. Die Tierversuchsdaten sind interessant, lassen sich aber nicht in die klinische Praxis übertragen. Warte mit der Einnahme, bis bessere Humandaten vorliegen.
Bringt es etwas, Glutathion zu schlucken, oder wird es im Darm einfach abgebaut?
Orales Glutathion erhöht die Spiegel in Blut und Zellen messbar, ist also nicht wirkungslos. Ob dieser Anstieg aber auch spürbare Gesundheitsvorteile bringt, ist bislang kaum untersucht.
Wirkt Echinacea wirklich gegen Erkältungen?
Ob Echinacea bei einer Erkältung hilft, hängt stark vom verwendeten Präparat ab. Standardisierte Produkte aus Echinacea purpurea (Kraut und Wurzel) zeigten in einigen Studien eine geringe Verringerung der Beschwerden, Wurzelextrakte und nicht standardisierte Produkte jedoch nicht. Was im Handel erhältlich ist, entspricht selten den Produkten aus den positiven Studien.
Funktioniert Ergothionein als Longevity-Nahrungsergänzungsmittel?
Ergothionein zeigt in einer kleinen Studie mit älteren Erwachsenen mit Gedächtnisbeschwerden ein positives Signal, doch für klare Empfehlungen ist es noch zu früh. Pilze zu essen ist ein risikofreier Weg, die Substanz aufzunehmen; ein Nahrungsergänzungsmittel kommt erst dann in Betracht, wenn größere Studien mehr Klarheit geschaffen haben.