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Funktioniert Ergothionein als Longevity-Nahrungsergänzungsmittel?

Vorläufige Evidenz

Ergothionein zeigt in einer kleinen Studie mit älteren Erwachsenen mit Gedächtnisbeschwerden ein positives Signal, doch für klare Empfehlungen ist es noch zu früh. Pilze zu essen ist ein risikofreier Weg, die Substanz aufzunehmen; ein Nahrungsergänzungsmittel kommt erst dann in Betracht, wenn größere Studien mehr Klarheit geschaffen haben.

Ergothionein ist eine Verbindung, die natürlicherweise in Pilzen vorkommt und vom Körper über einen spezifischen Transporter aktiv aufgenommen und gespeichert wird – vor allem in Geweben, die besonders anfällig für oxidativen Schaden sind, etwa im Gehirn. Dieser selektive Speichermechanismus ist gut beschrieben und liefert eine biologisch plausible Erklärung dafür, warum die Substanz für das Altern interessant sein könnte.

In Tierstudien wurden Lebensverlängerung und eine bessere allgemeine Gesundheit im höheren Alter berichtet, unter anderem durch verbesserte Mitochondrienfunktion und Hemmung zellulärer Alterungsprozesse. Das klingt vielversprechend, ist beim Menschen aber bislang nicht belegt.

Das einzige direkte klinische Experiment am Menschen ist eine kleine Pilotstudie mit 19 älteren Erwachsenen mit leichten Gedächtnisbeschwerden. Sie nahmen eineinhalb Jahre lang ein Nahrungsergänzungsmittel und zeigten danach bessere Lernleistungen, während ein Blutmarker für neuronale Schäden stabil blieb. In der Placebogruppe verschlechterten sich beide Werte. Das ist ein positives Signal, aber bei 19 Teilnehmenden lassen sich daraus keine belastbaren Schlüsse ziehen.

Die Sicherheit scheint kein großes Problem zu sein. Blutwerte sowie Nieren- und Leberwerte blieben während eines Jahres Nahrungsergänzung bei älteren Erwachsenen unverändert. Das ist beruhigend, auch wenn die Evidenz hier ebenfalls auf diese eine kleine Studie beschränkt ist.

Ergothionein lässt sich über die normale Ernährung aufnehmen, wobei Pilze die wichtigste Quelle sind. Moderne landwirtschaftliche Praktiken senken den Gehalt in anderen Kulturpflanzen erheblich. Wie viel jemand üblicherweise über die Ernährung aufnimmt, ist bisher kaum untersucht. Die Behauptung, Ergothionein sei ein unverzichtbares 'Longevity-Vitamin', bleibt eine Hypothese, die noch auf große, sorgfältig geplante Studien wartet.

Die Belege
8 Studien · 1 Meta-Analysen · ≈ 19 Teilnehmer

Alle Aussagen basieren auf den angegebenen PMID-Quellen. Die einzige randomisierte Humanstudie (PMID 39544014) umfasste n=19 Teilnehmende. Weitere Humanbefunde sind überwiegend assoziativ oder stammen aus Tier- und Zellstudien. Große randomisierte kontrollierte Studien oder Metaanalysen zu diesem Nahrungsergänzungsmittel liegen nicht vor.

Zuletzt überprüft: Juli 2026
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