Hat es Sinn, Resveratrol gegen das Altern einzunehmen?
Für den Menschen gibt es keine überzeugenden Belege, dass Resveratrol-Nahrungsergänzungsmittel etwas gegen das Altern bewirken. Das Tierversuchsdaten sind interessant, lassen sich aber noch nicht in die klinische Praxis übertragen. Warte mit der Einnahme, bis bessere Daten vom Menschen vorliegen.
In Hefe, Würmern und Fruchtfliegen verlängert Resveratrol in mehreren Studien die Lebensdauer. Das klingt vielversprechend, gilt aber nicht automatisch für Menschen: Schon bei diesen einfachen Organismen blieb der Effekt in rund 40 % der Studien aus, je nach Art, Dosis und Geschlecht.
Bei Mäusen ist das Bild gemischt. Die Mehrheit der Mausstudien zeigt keine eindeutige Lebensverlängerung. Was Resveratrol bei Säugetieren möglicherweise leistet, ist ein gewisser Schutz der Gesundheit im Laufe des Lebens: weniger Hinweise auf Krebs, Diabetes und Hirnprobleme. All das stammt jedoch aus Tierversuchen, nicht aus Studien am Menschen.
Das größte praktische Problem ist die Bioverfügbarkeit. Nach der Einnahme baut der Körper Resveratrol so schnell ab, dass kaum etwas in den Geweben ankommt, wo es eigentlich wirken sollte. Reviews heben das als grundlegendes Hindernis für Nahrungsergänzungsmittel hervor.
Im Labor hemmt Resveratrol bestimmte entzündungsfördernde Stoffe und aktiviert ein Protein, das auch durch Kalorienrestriktion angeschaltet wird, was bei Tieren mit einer längeren Lebensdauer zusammenhängt. Ob diese Mechanismen beim Menschen tatsächlich zu einem Gesundheitsnutzen führen, ist bislang nicht belegt.
Beim Menschen sind klinische Studien rar und liefern unklare Ergebnisse. Resveratrol scheint in den vorliegenden Studien gut verträglich zu sein und keine schwerwiegenden Nebenwirkungen zu verursachen, doch wie sicher es bei hohen Dosen über lange Zeiträume ist, wurde kaum untersucht. Derzeit gibt es keinen Beleg dafür, dass die Einnahme beim Menschen das Altern verlangsamt oder die Lebensdauer verlängert.
Alle Quellen sind Reviews, keine Metaanalysen oder randomisierte Studien. Keine der zugrunde liegenden klinischen Studien am Menschen wurde direkt als Quelle einbezogen. Die Evidenzstärke für Effekte beim Menschen ist damit begrenzt.