Helfen mir Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel (Fischöl) beim Herzschutz?
Für Menschen mit einer bestehenden Herzerkrankung gibt es mäßig starke Evidenz, dass Omega-3-Präparate helfen – vor allem bei hohen Dosen reinen EPAs. Für herzgesunde Menschen ohne Vorerkrankungen fehlt dieser Nachweis bislang.
Omega-3-Präparate (EPA und DHA, z. B. Fischöl) senken das Herzinfarktrisiko messbar. Eine Metaanalyse von 40 randomisierten Studien mit mehr als 135.000 Teilnehmenden ergab eine Risikoreduktion von 13 %1. Konkret: Im Schnitt müssen 272 Menschen das Präparat einnehmen, damit ein Herzinfarkt verhindert wird. Tödliche Herzinfarkte gingen sogar um 35 % zurück – diese Schätzung ist jedoch mit größerer Unsicherheit behaftet.
Beim breiteren Maßstab, also allen Herz-Kreislauf-Ereignissen zusammengenommen, zeigte sich dagegen kein signifikanter Effekt. Omega-3 wirkt also gezielt beim Herzinfarkt selbst, verschiebt den Gesamtzeiger aber nicht.
Die genaue Zusammensetzung spielt eine entscheidende Rolle. Hohe Dosen reinen EPAs erzielten in einer großen Studie eine deutliche Risikosenkung2,3. Kombinationspräparate mit sowohl EPA als auch DHA oder niedrigere Dosierungen lieferten dagegen uneinheitliche oder neutrale Ergebnisse. Nicht jede Fischölkapsel ist also gleich: Die stärkste Evidenz gilt für hoch dosiertes, reines EPA.
Die American Heart Association kam zu dem Schluss, dass Omega-3 sinnvoll ist, wenn bereits eine Herzerkrankung vorliegt – das bezeichnet man als Sekundärprävention4. Gleichzeitig räumt sie ein, dass nicht jede große Studie einen Nutzen gezeigt hat. Für herzgesunde Menschen ohne Vorerkrankungen ist ein schützender Effekt in randomisierten Studien bisher nicht belegt.
Beobachtungsstudien zeigen zwar einen Zusammenhang: Menschen mit niedrigeren Omega-3-Spiegeln im Blut erlitten häufiger schwerwiegende Herzereignisse und plötzlichen Herztod5. Das ist jedoch eine Assoziation, kein bewiesener Kausalzusammenhang. Menschen mit einem gesünderen Lebensstil essen generell mehr fetten Fisch und haben deshalb höhere Blutspiegel.
Alle Aussagen stützen sich auf eine Metaanalyse (PMID 32951855, 40 randomisierte Studien, mehr als 135.000 Teilnehmende), eine Stellungnahme der American Heart Association (PMID 28289069), zwei ergänzende Studien zu reinem EPA im Vergleich zu EPA+DHA (PMID 33027227, 21933782), ein systematisches Review zu DHA (PMID 29494205) sowie eine Beobachtungsstudie zu Omega-3-Blutspiegeln (PMID 24566438). Die Metaanalyse ist methodisch robust; die übrigen Quellen sind von mäßiger Qualität oder observationeller Natur.