Was hat Zahnfleischentzündung mit Herzerkrankungen zu tun?
Der Zusammenhang zwischen Parodontitis und Herzerkrankungen ist in Dutzenden Studien konsistent belegt, ob er aber ursächlich ist, steht noch nicht fest. Gute Mundhygiene lohnt sich trotzdem, unabhängig von der Herzfrage.
Wer an schwerer Parodontitis leidet, hat nachweislich ein erhöhtes Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Alle 41 systematischen Übersichtsarbeiten einer großen Auswertung von Auswertungen kamen zu diesem Befund. Je nach Erkrankung und Studie reicht die Risikoerhöhung von 22 % bis zum Vierfachen des normalen Werts. Betroffen ist nicht nur eine einzige Herzerkrankung: Nachgewiesen wurden erhöhte Risiken für koronare Herzkrankheit, Vorhofflimmern, Bluthochdruck, Herzinsuffizienz und periphere arterielle Verschlusskrankheit.
Parodontitis unterhält eine chronische, schwelende Entzündung, die sich auch im Blut messen lässt. Bakterien aus Zahnfleischtaschen können in den Blutkreislauf gelangen, dort die Gefäßinnenwände schädigen, zur Ablagerungsbildung in den Arterien beitragen und die Gerinnungsneigung erhöhen. Dazu gibt es bisher überwiegend Labor- und Tierdaten.
Ob der Zusammenhang tatsächlich ursächlich ist, bleibt offen. Genetische Studien, die kausale Zusammenhänge prüfen, fanden keinen Beleg dafür, dass Zahnfleischerkrankungen direkt Arterienverkalkung verursachen. Erschwerend kommt hinzu, dass Parodontitis und Herzerkrankungen viele gemeinsame Risikofaktoren teilen: Rauchen, höheres Alter, Diabetes und ein ungesunder Lebensstil begünstigen beide gleichermaßen. Den eigenständigen Beitrag der Zahnfleischentzündung herauszurechnen ist methodisch schwierig.
Zahnfleischbehandlungen senken nachweislich bestimmte Blutwerte, die das Herzrisiko widerspiegeln, etwa Entzündungsmarker. Ob sie dadurch auch Herzinfarkte oder Schlaganfälle verhindern, hat bisher keine große Studie gezeigt. Wer Blutverdünner einnimmt, sollte vor und nach Zahnfleischeingriffen besonders aufmerksam sein.
Basierend auf mehreren Metaanalysen und einer Umbrella-Review (PMID 39468505, 32011025, 30897827, 38141902), ergänzt durch mechanistische Studien und Mendelsche Randomisierungsstudien (PMID 39515611, 29903685, 30987702, 39494478). Der Zusammenhang ist epidemiologisch robust; Kausalität ist nicht bewiesen.