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Hilft ballaststoffreiche Ernährung gegen Verstopfung im Alter?

Ja · Moderate Evidenz

Mehr Ballaststoffe zu essen hilft älteren Menschen gegen Verstopfung, doch das gesamte Ernährungsmuster zählt mindestens genauso viel wie die reine Ballaststoffmenge. Bei Ballaststoffpräparaten immer ausreichend trinken, und bei Medikamenteneinnahme oder geringer Trinkmenge ärztlichen Rat einholen.

Ja, mehr Ballaststoffe zu essen hilft gegen Verstopfung im Alter. Verstopfung ist aber keine unvermeidliche Folge des Älterwerdens. Die eigentlichen Ursachen sind weniger Bewegung, ballaststoffarme Ernährung, Begleiterkrankungen und Medikamente.

Jedes zusätzliche Gramm Ballaststoffe erhöht das Stuhlgewicht um etwa 5 Gramm pro Tag. In einer kleinen Studie mit gesunden älteren Erwachsenen verkürzte Weizenkleie die Darmpassagezeit von 75 auf 54 Stunden. Wer es ausprobieren möchte, greift am besten zu löslichen Ballaststoffen: Auf dem Etikett stehen dann Begriffe wie „Psyllium husk", „Polydextrose" oder „Weizenkleie". Empfehlenswert sind 10 bis 15 Gramm pro Tag über mindestens 4 Wochen, stets mit ausreichend Wasser, denn ohne genug Flüssigkeit entfalten diese Ballaststoffe ihre Wirkung nicht. Wer wenig trinkt oder bettlägerig ist, fährt mit einem osmotischen Abführmittel möglicherweise sicherer. Hinweis: In einer kleinen Studie mit sieben Teilnehmenden sank die Kalziumaufnahme bei 30 Gramm Weizenkleie täglich stark, von 22 auf 8,6 Prozent. Wer bereits ein erhöhtes Risiko für Knochenschwund hat, sollte das berücksichtigen. Gut fermentierbare Ballaststoffe wie Inulin oder FOS (Fructooligosaccharide) haben keinen belegten abführenden Effekt und können sogar Beschwerden verursachen – der Warnhinweis auf der Packung ist also kein Zufall, aber gegen Verstopfung helfen sie nicht.

Das gesamte Ernährungsmuster zählt mindestens genauso viel wie die reine Ballaststoffmenge. In drei großen Kohortenstudien mit zusammen über 95.000 Teilnehmenden hatten Menschen mit der mediterranen oder pflanzenbetonten Ernährung ein 16 bis 20 Prozent geringeres Risiko für chronische Verstopfung. Dieser Zusammenhang blieb auch nach Bereinigung um die gesamte Ballaststoffzufuhr bestehen. Eine westliche oder entzündungsfördernde Ernährung war mit einem 22 bis 24 Prozent höheren Verstopfungsrisiko verbunden. Das sind Befunde aus Bevölkerungsstudien: Ob die Ernährung ursächlich ist, lässt sich daraus nicht mit Sicherheit ableiten, doch die Richtung ist eindeutig.

Nimmst du Medikamente, die Verstopfung auslösen können, besprich das mit deiner Ärztin oder deinem Arzt. Sie oder er kann einschätzen, ob Ballaststoffe oder ein Abführmittel besser zu deiner Situation passen.

Die Belege
8 Studien · ≈ 97.776 Teilnehmer

Aussagen basieren auf mehreren Beobachtungsstudien, kleinen randomisierten Studien und großen prospektiven Kohortenstudien mit bis zu über 95.000 Teilnehmenden. Eine große randomisierte kontrollierte Studie speziell zu gebrechlichen älteren Menschen liegt bislang nicht vor.

Zuletzt geprüft: Oktober 2026 · wie das beurteilt wurde
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