longevitywatch

Ist ein hoher Blutdruck nachts gefährlicher als tagsüber?

Ein hoher Blutdruck nachts ist gefährlicher als ein erhöhter Tageswert beim Arzt. Sinkt dein Blutdruck nachts nicht ausreichend ab oder steigt er sogar an, ist dein Risiko für Herzinfarkt, Schlaganfall und Herzinsuffizienz deutlich erhöht, selbst wenn die Praxismessung unauffällig ausfällt.

Ja, der nächtliche Blutdruck sagt Herzinfarkte, Schlaganfälle und Sterblichkeit besser voraus als die Messung beim Arzt tagsüber. Die Europäische Hypertonie-Leitlinie von 2025 stuft den nächtlichen Blutdruck deshalb als eigenständigen Risikofaktor ein. Du kannst also in der Praxis völlig unauffällige Werte haben und trotzdem ein erhöhtes Risiko tragen, wenn dein Blutdruck nachts nicht ausreichend absinkt.

Besonders auffällig ist das Risiko eines erhöhten Blutdrucks im Liegen, selbst wenn die Werte im Sitzen normal sind. In einer Studie mit mehr als 11.000 Menschen, die über 25 bis 28 Jahre begleitet wurden, war ein zu hoher Blutdruck im Liegen mit einem um 60 % höheren Herzinfarktrisiko, einem um 83 % höheren Risiko für Herzinsuffizienz, einem um 86 % höheren Schlaganfallrisiko und einer um 43 % höheren Gesamtsterblichkeit verbunden. Wer ausschließlich im Liegen erhöhte Werte hatte, trug ein vergleichbares Risiko wie Menschen, bei denen auch der sitzend gemessene Blutdruck zu hoch war1.

Normalerweise fällt dein Blutdruck nachts um 10 bis 20 Prozent. Bleibt dieser Abfall aus, steigt das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Besonders gefährlich ist das sogenannte Riser-Muster, bei dem der Blutdruck nachts sogar höher ist als tagsüber. In der japanischen JAMP-Studie mit 6.359 Patienten war dieses Muster mit 48 % mehr Herz-Kreislauf-Ereignissen und mehr als doppelt so häufiger Herzinsuffizienz verbunden. Schon ein um 20 mmHg höherer nächtlicher Blutdruck ließ das Herzinsuffizienzrisiko um 25 % ansteigen2,3.

Schlafapnoe ist eine der häufigsten Ursachen nächtlicher Blutdruckspitzen. Wiederholte Sauerstoffmangelphasen aktivieren das sympathische Nervensystem und erhöhen das Risiko für koronare Herzerkrankung, Herzinsuffizienz, Schlaganfall und Herzrhythmusstörungen. Eine CPAP-Therapie, bei der eine Maske die Atemwege offenhält, senkt schwer einstellbaren Bluthochdruck, hat jedoch in randomisierten Studien bislang keinen nachgewiesenen Nutzen auf harte Endpunkte wie Herzinfarkt oder Schlaganfall gezeigt4,5. Nächtliche Blutdruckprobleme treten zudem häufiger bei Nierenerkrankungen, Diabetes oder Störungen des autonomen Nervensystems auf.

Ob es hilft, blutdrucksenkende Medikamente abends statt morgens einzunehmen, wird noch intensiv erforscht. Die MAPEC-Studie mit 2.156 Patienten über durchschnittlich 5,6 Jahre zeigte beeindruckende Ergebnisse: 61 % weniger Herz-Kreislauf-Ereignisse bei Abendeinnahme6. Die ESH-Leitlinie 2025 hält jedoch fest, dass die Befunde über verschiedene Studien hinweg nicht einheitlich sind2. Sprich das mit deinem Arzt durch, denn je nach Präparat und deiner persönlichen Situation kann der Einnahmezeitpunkt durchaus einen Unterschied machen.

Die Belege
8 Studien · ≈ 31.000 Teilnehmer

Die Aussagen stützen sich auf Beobachtungsstudien, darunter die JAMP-Studie, eine US-amerikanische Kohorte mit mehr als 11.000 Teilnehmern sowie die MAPEC-Studie, ergänzt durch die ESH-Leitlinie 2025 und randomisierte Studien zu CPAP und Einnahmezeitpunkt von Medikamenten. Alle Zusammenhänge sind beobachtender Natur; lediglich für den Einnahmezeitpunkt gibt es Hinweise auf Kausalität, doch auch hier sind die Ergebnisse über Studien hinweg nicht durchgehend einheitlich. Verwendete PMIDs: 40509714, 33131317, 39841470, 34353537, 39242062, 20854139, 32639886, 20000139.

Zuletzt geprüft: August 2026 · wie das beurteilt wurde
Verwandte Antworten
Erhöht langes Sitzen das Risiko für Herzprobleme?
Ja · Starke Evidenz
Was verrät mein Blutdruck über meine langfristige Gesundheit?
Senkt ein niedrigerer Blutdruck wirklich mein Risiko?
Ja · Starke Evidenz
Erhöht chronischer Schlafmangel das Schlaganfallrisiko?
Ja · Starke Evidenz
Kann Schlafmangel deinen Blutdruck erhöhen?
Ja · Moderate Evidenz
Kann hoher Blutdruck mit 40 später zu Demenz führen?
Verwandte Forschung
23 Aug
Gesunde Blutgefäße in der Lebensmitte schenken zwölf demenzfreie Jahre
22 Aug
Blutgefäße im Gehirn reagieren je nach Hirnschicht unterschiedlich
22 Aug
Herzgefäße erneuern sich nach einem Herzinfarkt selbst
Ist deine Frage nicht dabei?
Stell sie, und wir finden es für dich heraus.
Eine Frage stellen
Newsletter

Bleib auf dem Laufenden

Zweimal pro Woche die wichtigste Longevity-Forschung in deinem Postfach.