Ist eine ketogene oder kohlenhydratarme Ernährung gut für ein langes Leben?
Eine ketogene Ernährung kann bei Übergewicht und Stoffwechselstörungen helfen, für Menschen die einfach länger und gesund leben wollen gibt es jedoch keinen belegten Vorteil gegenüber einer abwechslungsreichen Kost. Wer intensiv Sport treibt, kann sogar Nachteile erleiden.
Reviews beschreiben durchaus interessante Mechanismen: Eine ketogene Ernährung beeinflusst Stoffwechselwege, die beim Altern eine Rolle spielen1. Eine zweite Übersichtsarbeit relativiert das jedoch: Die Effekte variieren stark je nach Krankheitsbild und Diätvariante, und belastbare Belege dafür, dass diese Ernährungsform beim Menschen die Lebensspanne tatsächlich verlängert, fehlen2.
Die stärkste Evidenz betrifft Gewicht und Stoffwechsel. Ketogene Ernährungsformen helfen nachweislich bei der Gewichtskontrolle, beim metabolischen Syndrom und bei Insulinresistenz3. Die sogenannte spanische ketogene Mittelmeerdiät verbesserte Stoffwechselwerte deutlich, mit dem zusätzlichen Vorteil eines besseren Muskelerhalts und weniger Hunger.
Risiken gibt es ebenfalls. Eine hohe Eiweißzufuhr, wie sie für diese Ernährungsform typisch ist, erhöht den Druck auf die Nieren: Sie filtrieren dann mehr Blut als nötig, was Fachleute Hyperfiltration nennen. Langfristig kann das zu chronischen Nierenschäden führen, selbst ohne vorbestehende Nierenerkrankung4. Tierisches Protein scheint dabei schädlicher zu sein als pflanzliches.
Bei spezifischen Erkrankungen ist das Bild gemischt. Bei Krebs hängt alles vom Tumortyp ab, ein Konsens fehlt5. Bei Alzheimer stellte die Ernährungsform in Mäusen das Gedächtnis wieder her, möglicherweise über einen bestimmten Ketonkörper; dazu gibt es bisher nur Mäusedaten6. Bei Multipler Sklerose stuften kleine Pilotstudien die Diät als sicher ein, ohne jedoch ihre Wirksamkeit zu belegen7.
Wer ketogen isst und gleichzeitig intensiv trainiert, hat einen konkreten Nachteil. Bei hochintensiven Belastungen wie CrossFit schneidet eine kohlenhydratreiche Ernährung besser ab8. Da intensives Bewegen selbst zu den stärksten bekannten Schutzfaktoren für ein langes, gesundes Leben zählt, ist das ein praktisch relevanter Punkt.
Alle Aussagen stammen aus Reviews, Scoping Reviews und Tierstudien. Es gibt keine großen Langzeitstudien am Menschen, die die Lebensdauer als primären Endpunkt verwenden. Die Evidenz für kurzfristige Stoffwechselvorteile ist mäßig; für eine Verlängerung der Lebensdauer bleibt sie begrenzt und assoziativ.