Ist Rohmilch gesünder als pasteurisierte Milch?
Rohmilch bietet keine belegten gesundheitlichen Vorteile, die das Infektionsrisiko aufwiegen. Wer sich Gedanken über seine Vitaminversorgung macht, ist mit pasteurisierter Milch auf der sicheren Seite.
Pasteurisierung tötet krankheitserregende Bakterien in der Milch ab. Das ist wissenschaftlich gut belegt und der wichtigste praktische Unterschied zwischen Roh- und pasteurisierter Milch. Rohmilch kann Bakterien wie Salmonellen, Listerien und Campylobacter enthalten, die schwere Erkrankungen auslösen – auch bei gesunden Menschen.
Pasteurisierung senkt den Gehalt an den Vitaminen B1, B2, C und Folat messbar. Bei den meisten davon liefert Milch ohnehin so wenig, dass der Verlust für die tägliche Zufuhr kaum ins Gewicht fällt. Bei Vitamin B2 (Riboflavin) sieht das anders aus: Milch ist hier eine wichtige Quelle, weshalb der Verlust durch die Pasteurisierung relevant sein kann. Vitamin A steigt nach der Pasteurisierung sogar an.
Sechs Studien bringen Rohmilch mit einem geringeren Allergierisiko in Verbindung. Ob Rohmilch dafür die Ursache ist, lässt sich daraus nicht ableiten. Menschen, die Rohmilch trinken, leben häufig auf einem Bauernhof, und die landwirtschaftliche Umgebung könnte genauso gut schützend wirken. Es handelt sich um eine statistische Begleitung, kein bewiesenes Ursache-Wirkungs-Verhältnis.
Dass Rohmilch bei Laktoseintoleranz hilft oder das Krebsrisiko senkt, ist kaum untersucht. Es gibt dazu jeweils nur eine bzw. zwei Studien, ohne nachweisbaren Effekt. Darauf lässt sich keine Aussage stützen.
Alle Aussagen stammen aus einer einzigen Publikation (PMID 22054181), einem Review, der mehrere Studien zusammenfasst. Die Evidenzstärke unterscheidet sich je nach Endpunkt: stark für Lebensmittelsicherheit, mäßig für Vitamingehalte, begrenzt für Allergien, unzureichend für Krebs und Laktoseintoleranz.