Kann dein Darmmikrobiom Entzündungen im Körper beeinflussen?
Dein Darmmikrobiom kann über die Darmwand Entzündungsprozesse im gesamten Körper beeinflussen. Mehr Ballaststoffe und regelmäßige Bewegung sind die am besten belegte Möglichkeit, das positiv zu steuern.
Dein Darmmikrobiom steht in direkter Verbindung mit deinem Immunsystem. Gerät die Bakterienzusammensetzung aus dem Gleichgewicht und wird die Darmwand durchlässiger, gelangen bakterielle Stoffwechselprodukte ins Blut. Das Immunsystem erkennt diese Stoffe als Eindringlinge und löst eine anhaltende, schwelende Entzündung aus.
Diese schwelende Entzündung wird in mehreren Übersichtsarbeiten mit chronischen Erkrankungen in Verbindung gebracht: Adipositas, nicht-alkoholische Fettleber, Herz-Kreislauf-Erkrankungen, Autoimmunerkrankungen und neurodegenerative Leiden. Ob ein gestörtes Mikrobiom dabei Ursache oder Folge ist, lässt sich für die meisten dieser Erkrankungen bislang nicht schlüssig sagen. Der Zusammenhang ist konsistent, aber noch nicht als Kausalität belegt.
Deine Ernährung spielt dabei eine zentrale Rolle. Eine fettreiche westliche Kost schädigt die Darmwand und bringt die Bakterienzusammensetzung durcheinander, was die niedriggradige Entzündung antreibt. Umgekehrt zeigte eine randomisierte Studie an Menschen mit Typ-2-Diabetes, dass eine ballaststoffreichere Ernährung das Mikrobiom verbesserte und Entzündungswerte im Blut senkte.
Bei älteren Menschen zeigen Beobachtungsdaten, dass regelmäßige Bewegung kombiniert mit einer mediterranen Ernährung die Vielfalt des Darmmikrobioms fördert und das Immunsystem stabiler hält. Bei Menschen mit chronischer Nierenerkrankung zeigt sich ein ähnliches Muster: Bakterielle Giftstoffe, die durch eine durchlässige Darmwand ins Blut gelangen, können Entzündung und Nierenschäden verstärken.
Die meisten Hinweise sprechen für Ballaststoffe, Polyphenole (aus Gemüse, Obst und Olivenöl) und regelmäßige Bewegung als die erreichbaren Stellschrauben, um Mikrobiom und Entzündungsniveau positiv zu beeinflussen. Das ist der Bereich mit der derzeit besten Datenlage.
Basiert auf mehreren narrativen Übersichtsarbeiten und einer randomisierten klinischen Studie. Die kausale Beweislage beim Menschen ist für die meisten Endpunkte noch begrenzt.