Kann dein Darmmikrobiom deinen Cholesterinspiegel beeinflussen?
Dein Mikrobiom beeinflusst deinen Cholesterinspiegel über den Gallensäurestoffwechsel und die Fermentation von Ballaststoffen. Mehr Ballaststoffe zu essen ist der konkreteste und sicherste Schritt; Nahrungsergänzungsmittel wie Berberin sind für den Alltagsgebrauch noch zu wenig belegt.
Darmbakterien wandeln Gallensäuren um – Stoffe, die die Leber aus Cholesterin herstellt. Über diesen Prozess steuern sie indirekt mit, wie viel Cholesterin die Leber produziert und abbaut. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, geht das häufig mit erhöhten Cholesterinwerten und einem höheren Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen einher.
Eine zentrale Rolle spielt das Enzym Gallensalz-Hydrolase, das bestimmte Darmbakterien besitzen. Diese Bakterien verhindern, dass Gallensäuren über den Stuhl ausgeschieden werden. Je weniger Gallensäuren verloren gehen, desto weniger Cholesterin muss die Leber zu Gallensäuren umbauen – was den Cholesterinspiegel im Blut steigen lässt. Daneben gibt es Bakterien mit dem gegenteiligen Effekt: In einer großen Beobachtungsstudie mit über 1.400 Teilnehmern waren Oscillibacter-Bakterien mit niedrigeren Cholesterinwerten assoziiert, und im Labor bauten diese Bakterien Cholesterin aktiv ab.
Ernährung vermittelt dabei einen wesentlichen Teil dieses Effekts. Darmbakterien fermentieren Ballaststoffe zu kurzkettigen Fettsäuren. Wer wenig Ballaststoffe isst – wie es für eine typisch westliche Ernährung charakteristisch ist –, verändert sein Mikrobiom auf eine Weise, die mit höheren LDL-Cholesterin- und Triglyceridwerten zusammenhängt. Mehr Ballaststoffe können diesen Effekt teilweise umkehren.
Einige Nahrungsergänzungsmittel sollen über das Mikrobiom den Cholesterinspiegel senken. Berberin, ein pflanzlicher Wirkstoff in einer Dosierung von 500 mg täglich, verändert die Darmflora und hemmt Gene, die an der Cholesterinaufnahme beteiligt sind. Zur langfristigen Sicherheit beim Menschen fehlen bislang belastbare Daten. Pu-Erh-Tee enthält einen Stoff, der in Mausstudien und einer kleinen klinischen Studie das Mikrobiom veränderte und dadurch den Cholesterinspiegel senkte – das sind interessante Hinweise, reichen aber nicht für konkrete Empfehlungen.
Alle Aussagen basieren auf Beobachtungsstudien, Tiermodellen, mechanistischen Studien sowie einigen kleinen klinischen Studien am Menschen. PMIDs: 35792223, 29080339, 29080336, 38569543, 31672964, 34068353, 32353823.