Kann man seine Telomere verlängern oder wiederherstellen?
Telomere wirklich zu verlängern ist bei gesunden Menschen nicht belegt und birgt ein Krebsrisiko. Die Telomerverkürzung zu bremsen scheint hingegen möglich: Vitamin D3 (2000 IU/Tag) zeigte in einer großen Studie einen bescheidenen, aber messbaren Effekt.
Telomere sind die Schutzkappen an den Enden deiner Chromosomen. Bei jeder Zellteilung werden sie ein kleines Stück kürzer. Werden sie zu kurz, verliert die Zelle die Fähigkeit, sich weiter zu teilen. Das spielt eine Rolle beim Altern und bei Erkrankungen wie Herz-Kreislauf-Leiden. Wie lang deine Telomere sind, ist übrigens schon zu einem großen Teil bei der Geburt festgelegt: Eine Studie mit 147 Personen zeigte, dass die Rangfolge der Telomerlänge je Chromosom bereits im Nabelschnurblut vorhanden ist und ein Leben lang stabil bleibt.
Die kurze Antwort lautet: Eine echte Verlängerung ist bei gesunden Menschen weder belegt noch ungefährlich. Das einzige Mittel, das in einer großen randomisierten Studie (über tausend Teilnehmende, vier Jahre Laufzeit) einen messbaren Unterschied bewirkte, war Vitamin D3 in einer Dosis von 2000 IU pro Tag. Teilnehmende, die Vitamin D3 einnahmen, verloren über vier Jahre im Durchschnitt 140 Basenpaare weniger an Telomerlänge als die Placebogruppe. Das ist statistisch signifikant, aber bescheiden im Vergleich zur gesamten Telomerlänge. Es geht also darum, den Verlust zu bremsen, nicht um echtes Wachstum. Omega-3-Fettsäuren (1 Gramm pro Tag, dieselbe Studie) hatten nach zwei oder vier Jahren keinerlei messbaren Effekt auf die Telomerlänge.
Oxidativer Stress, der unter anderem durch Rauchen, UV-Strahlung und ungesunde Ernährung entsteht, kann die Telomerverkürzung beschleunigen. Das wurde in Laborstudien mit Zellen nachgewiesen. Ob der Schutz von Zellen vor oxidativem Stress im Alltag die Telomerverkürzung beim Menschen sinnvoll verlangsamt, ist noch nicht eindeutig belegt.
Ein wichtiger Vorbehalt: Telomerverlängerung klingt nach etwas Gesundem, ist im Körper aber gerade ein Kennzeichen von Krebszellen. Tumoren, die ihre Telomere aktiv aufrechterhalten, wie bei bestimmten Kindertumoren (Neuroblastom), wachsen unkontrolliert weiter und haben eine deutlich schlechtere Prognose. Ein Eingriff in die Telomerverlängerung ist also ein zweischneidiges Schwert. Schwere erbliche Defekte in Genen, die die Telomerwartung steuern, führen zudem zu seltenen, aber einschneidenden Erkrankungen wie Lungenfibrose und aplastischer Anämie.
Telomerlänge als Maßstab für das biologische Alter zu messen ist populär, doch Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler betonen, dass sie nur ein kleines Puzzlestück eines komplexen Gesamtbilds darstellt. Eine verlässliche Schätzung des biologischen Alters erfordert mehrere molekulare und körperliche Messungen gleichzeitig.
Die Aussagen basieren auf PMID 40409468 (VITAL RCT, n=1031), PMID 38603523 (chromosomenspezifisches Telomermuster, n=147), PMID 28254828 und 23192261 (Reviews zu Altern und Telomersyndromen), PMID 30523111 (Neuroblastom-Prognose), PMID 23929103 (oxidativer Stress in Zellen) sowie PMID 28544158 und 31833194 (biologische Altersmarker). Keine Metaanalysen als direkte Quellen.