Ist Hormontherapie in den Wechseljahren sicher und sinnvoll?
Hormontherapie wirkt hervorragend gegen Hitzewallungen und vaginale Beschwerden, aber ob sie für dich sicher ist, hängt von deinem Alter, dem Präparattyp und der Einnahmedauer ab. Bespreche Startzeitpunkt, Darreichungsform und Risikofaktoren sorgfältig mit deiner Ärztin oder deinem Arzt.
Hitzewallungen und nächtliches Schwitzen lassen sich mit Hormontherapie stärker reduzieren als mit jeder anderen Behandlung. Das belegen große randomisierte Studien, darunter die Women's Health Initiative (WHI), sehr überzeugend. Auch vaginale Trockenheit, Schmerzen beim Sex und Blasenbeschwerden sprechen gut auf Hormontherapie an; bei Frauen, die ausschließlich unter diesen Beschwerden leiden, sind lokale vaginale Östrogene die bevorzugte Option. Dazu kommt ein Knochenschutz: Hormontherapie bremst den Knochenschwund und senkt das Hüftfrakturrisiko.
Ob Hormontherapie sicher ist, hängt stark vom Präparattyp und vom Zeitpunkt des Behandlungsbeginns ab. Kombinierte Therapie mit Östrogen und Gestagen, die länger als drei bis fünf Jahre eingenommen wird, erhöht das Brustkrebsrisiko. In der WHI-Studie lag die Wahrscheinlichkeit während der Behandlungsphase um 24 % höher. Frauen ohne Gebärmutter, die ausschließlich Östrogen verwenden, sehen dieses Risiko sogar leicht sinken. Orale kombinierte Therapie erhöht außerdem das Risiko gefährlicher Blutgerinnsel in den Venen. Wer dafür bereits ein erhöhtes Risiko mitbringt, fährt mit einem Pflaster oder Gel besser: Diese Darreichungsformen verursachen praktisch kein zusätzliches Gerinnselrisiko.
Der Zeitpunkt ist womöglich der entscheidende Faktor. Frauen, die innerhalb von zehn Jahren nach den Wechseljahren mit der Therapie beginnen, haben bessere Herzgesundheitswerte und eine niedrigere Gesamtsterblichkeit als Frauen, die später einsteigen. Bei Frauen zwischen 70 und 79 Jahren, die (erneut) beginnen, zählt die WHI-Studie dagegen 38 zusätzliche Schadensfälle pro 10.000 Frauen pro Jahr, gegenüber lediglich 12 bei den 50- bis 59-Jährigen. Herzschutz ist kein offiziell anerkannter Verschreibungsgrund, aber der Startzeitpunkt bestimmt maßgeblich, wie Nutzen und Risiken gegeneinander aufgewogen werden.
Wer Beschwerden hat, aber keine Hormone nehmen möchte oder kann, hat andere Optionen. Niedrige Dosen bestimmter Antidepressiva (Paroxetin oder Venlafaxin) oder Gabapentin reduzieren Hitzewallungen spürbar, wenn auch weniger wirksam als Östrogen. Schlafprobleme, die mit nächtlichem Schwitzen zusammenhängen, bessern sich ebenfalls durch Hormontherapie; bei reiner Schlaflosigkeit bleibt Verhaltenstherapie jedoch der beste erste Schritt. Yoga, Akupunktur, Traubensilberkerze und Omega-3-Nahrungsergänzungsmittel sind bei Hitzewallungen nicht überzeugend wirksamer als Placebo.
Ein neues orales Östrogen (Estetrol) zeigt in frühen Untersuchungen vielversprechende Eigenschaften. Langzeitdaten zu Herz, Blutgerinnseln und Brustkrebs fehlen bisher, weshalb sich noch nicht beurteilen lässt, ob es sicherer ist als bestehende Präparate.
Basiert auf mehreren großen randomisierten Studien (darunter WHI) und systematischen Reviews. PMIDs: 33858012, 27929271, 41303580, 24084921, 32852449, 39250810, 40488293, 32880197.